Jul 052012
 

Ich hatte mal in einem Video definiert, dass Transparenz, wie sie von Piraten gefordert wird, immer das Politische betrifft (Vereinbarkeit mit Datenschutz!) und generell bedeutet, dass Menschen alles wissen, was in ihrem Namen geschieht. Als Ausnahmen habe ich den noch für uns zu definierenden Betriff des legitimen Staatsinteresses und natürlich den Datenschutz festgelegt.

Ein wichtiger Teilaspekt einer dringend benötigten Definition von Transparenz ist die Art der Umsetzung.

Ich unterscheide hier Verfügbarkeit von Bekanntmachung.

Verfügbarkeit bedeutet, dass jeder Schritt politischen Handelns dokumentiert wird. Also:

  • Protokolle und Streams von Sitzungen
  • Auflistungen der Einkünfte
  • Liste von Treffen mit Journalisten und Lobbyisten
  • Verfügbarkeit politischer Daten und Statistiken, stehender Gesetze und Gesetzesentwürfe
  • und so weiter

 

Der Vorteil solcher Sammlungen von durchsuch- und filterbaren Daten zur Transparenz besteht natürlich darin, dass man bei Bedarf alles nachschlagen kann. Wir brauchen uns indess aber nicht der Illusion hinzugeben, jemand wollte oder könnte das alles verfolgen. Verfügbarkeit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung der allgemeinen Transparenz. Sonst kann man immer sagen: “Was regen sich die Bürger denn jetzt so auf? Die Pläne für den neuen Bahnhof lagen seit zwei Jahren auf dem Amt aus. Im Keller hinter der Tür.”

Eine zweite wichtige Komponente ist darum die Bekanntmachung. Dies bezeichnet die aktive Verbreitung aufgearbeiteter Information zum zukünftigen und vergangenen politischen Handeln.

Zum Beispiel mag es Streams von Plenarsitzungen aus Landtagen geben, aber die sind viel zu Umfangreich, als dass man sie als berufstätiger Mensch alle schauen würde. Einzelne Abgeordnete im Landtag NRW haben sich an die Arbeit gemacht, die wichtigsten Reden herauszuschneiden und auf Youtube zu stellen. Wenn man sie dann noch um Links zu den betreffenden Gesetzestexten oder Gutachten versieht, ist das eine Form der bekanntmachenden Transparenz.

Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie möglichst einfach verständlich ist und Information verkürzt zusammenstellt, aber auch Hinweise darauf gibt, wo die ausführliche Information zu finden ist.

Bekanntmachung sollte im Regelfall aus dem Budget der betreffenden politischen Entität erfolgen und online, offline und über die klassischen Medien erfolgen. Sie hat das Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen, insbesondere die Betroffnen.

Ein Problem der Bekanntmachung ist, dass nicht jede Information bekannt gemacht werden kann. Das würde nur wieder zu einem unübersichtlichen Strom führen. Die bekanntmachende Transparenz ist ein Filter. Über die Funktion des Filters entscheidet der entsprechende Politiker. Darum ist es immer besser, wenn die Rohinformation von mehreren Stellen unabhängig von einander gefiltert wird, um möglichst große Neutralität zu bewahren.

Im Prinzip haben wir eine leider auf sehr eingeschränkter Information basierende bekanntmachende Transparenz in Form von Journalismus. Auch Journalisten hantieren mit Rohdaten und verarbeiten sie zu einfach zu konsumierender Berichterstattung. Im Optimalfall.
Je mehr Interessierte durch die verfügbaren Daten wühlen, desto mehr wichtige Teile davon werden entdeckt und bekannt gemacht.

Es bleibt also eine Frage ungeklärt. Während bei verfügbarer Transparenz alle politischen Informationen impliziert sind, haben wir noch nicht geklärt, für welche Teile wir Bekanntmachung fordern.

 

Ich hoffe, dieser Baustein hilft in der allgemeinen Diskussion weiter.