Der folgende Beitrag richtet sich an die Piratenpartei. Wenn mir etwas besonders wichtig ist, dann mache ich ein Video darüber. Heute ist mir besonders wichtig, dass wir uns alle an die eigene Nase fassen.
Für alle, die lieber Lesen, ist hier der ungefähre Text:
Liebe Piraten,
Am 18. September 2011 sind wir erstmals in ein Landesparlament eingezogen!
Zeit für einen regelmäßigen Reality-Check. Es ist jetzt wichtiger denn je, dass wir lernen, echte Politik zu machen, ohne unsere Ideale auch nur ein Stück weit aus den Augen zu verlieren. Das Ideal, um das es mir heute ganz konkret geht, ist die Transparenz.
Wir möchten, dass die Leute frei sind. Also wollen wir, dass sie über ihr eigenes Leben mitbestimmen können. Darum leben wir in einer Demokratie. Damit sie mitbestimmen können, müssen sie einerseits im Bilde darüber sein, was passiert; andererseits müssen sie sehen, ob Forderungen, die sie durch Wahl und Abstimmung gemacht haben, umgesetzt wurden. Diesen beiden Zielen dient die Transparenz. Sie ist wichtig. Aber wir werden feststellen, dass wir auf Dauer nicht weiter kommen damit, sie einfach nur zu fordern. Wir müssen die Voraussetzungen für Transparenz schaffen. Als Bürger. Als Basis.
Ich möchte heute von Bürgern auf der einen und Politikern auf der einen Seite sprechen. Und gleichzeitig von Piraten ohne Amt und von Piraten mit Amt. Da wir ja mit der parteiinternen Transparenz ein Beispiel vorleben wollen, ist das äquivalent. Der Unterschied zwischen der einen und der anderen Seite ist, dass die einen gewählt sind, also ein Stück Macht übertragen bekommen haben, und die anderen von den Entscheidungen betroffen sind.
Nehmen wir mal ein parteiinternes Beispiel.
Eine fiktive Anna aus der nicht allzu fernen Zukunft ist ein Landesvorstand der Piratenpartei. Die nächste Landtagswahl steht bevor und Anna stellt fest, dass die Piraten dieses Landesverbandes sehr viel mit den Grünen gemeinsam haben. Sie führt häufiger Gespräche mit deren Vorstand, um zu klären, ob und wie man möglicherweise gemeinsam auftreten kann. Sie macht das auch transparent. Die Gespräche gefallen einigen Piraten nicht. Sie äußern Kritik darüber, dass man mit einer anderen Partei zusammenarbeiten will. Anna verfasst einen langen Blogpost mit einer Begründung, warum das für den Landesverband im Moment unbedingt notwendig ist. Die meisten können ihren Gedankengang nachvollziehen. Die sind zufrieden und schweigen. 15% stimmen aber weiterhin nicht mit ihr überein. Einige davon schreiben ihr Gegenargumente per Email. Die meisten lästern über sie auf Twitter und überall sonst. Sie bekommt vier Drohmails, was alles passiert, wenn sie die Gespräche mit den Grünen weiterhin führt. Es ist ein klassischer Shitstorm. Weil die zufriedene Mehrheit schweigt, fühlt Anna jeden gegen sich. Sie stellt die offiziellen Gespräche ein, die Lage beruhigt sich. Was passiert aber weiter? Anna geht auf die Eröffnungsparty dieses vegetarischen Cafés. Dort ist zufällig auch der Vorstand der Grünen. Sie trinkt ein Bier. Man redet. Weil sie also die Notwendigkeit weiterhin fühlt, macht sie genau das, was sie vorher auch schon gemacht hat, aber diesmal inoffiziell, ein wenig unter der Hand. Klar handelt sie hier falsch und ist deutlich im Unrecht. Aber die Voraussetzungen dafür wurden geschaffen.
Wie geht eine souveräne, transparente Partei mit so einem Problem um?
Nachdem Anna ihren Blogpost verfasst hat, schreiben ihr viele von denen, die mit ihrem Vorgehen einverstanden sind. Sie fühlt den Rückhalt, einen richtigen Schritt zu tun. Diejenigen, die mit ihr nicht einverstanden sind, schreiben ihre Argumente per Email oder in eigenen Blogposts, die sie an sie schicken. Sie sind dabei nicht unfreundlich, sondern argumentieren klar. Die Argumente, die vielleicht tatsächlich zum Tragen kommen, baut Anna in ihr Vorgehen ein. Immerhin helfen sie ihr, Fehler zu vermeiden. Sie führt ihre Gespräche weiterhin offen und zeigt, welche der Argumente sie sich wirklich zu Herzen genommen hat. Wenn die Frage sehr strittig ist, wird online ein Meinungsbild erhoben und sich danach gerichtet.
Hier ist der Schlüssel, dass Beleidigungen und ungerichtetes Gemecker ehrlichem Verhalten auf rein menschlicher Ebene abträglich sind. Und schließlich wollen wir ja menschliche Politik machen.
Ich gebe euch noch ein zweites Beispiel, das diesmal nicht fiktiv, sondern ganz real ist.
JuraSoft hat unserer Partei 20.000€ gespendet. Die meisten fanden das toll. Das ist auch nachvollziehbar, denn wir sind auf Spenden ganz dringend angewiesen. Unser Schatzmeister Rene hat die Spende und den Firmennamen sofort veröffentlicht. Das musste er nicht zwingend, aber das ist transparent. Was ist passiert? Bei einem Gespräch hat sich die Firma bei Rene beschwert, dass mehrere Piraten dort angerufen und kritische Nachfragen in unfreundlichem Ton gestellt haben. Das ist eigentlich etwas, das gar nicht passieren sollte. Vergangene Woche hat uns eine andere Firma zwar ihre moralische Unterstützung zugesichert, Geld wolle man aber nicht spenden. Man wolle sich nicht mit denselben Störern rumschlagen, wie JuraSoft. Konsequenz ist, dass Rene eigentlich am liebsten die Namen der spendenden Firmen nicht sofort, sondern erst am Jahresende veröffentlichen würde.
Wie geht jetzt eine souveräne, transparente Partei damit um?
Rene wird die Namen von Großspendern weiterhin veröffentlichen. Wenn aber jemand Fragen über die jeweilige Firma hat (was ja berechtigt ist), dann stellt er sie Rene. Schließlich ist der Schatzmeister und genau dafür zuständig. Rene leitet die Fragen weiter an die Firma und veröffentlicht die Antworten. So haben wir Transparenz, Information und verschrecken dabei nicht die Leute, die uns unterstützen wollen. Dieses Konzept kann nur funktionieren, wenn sich jeder einzelne freiwillig daran hält, seine Fragen nur an Rene zu schicken. Jedermann ist also dafür verantwortlich.
Was ich an den vergangenen zwei Beispielen klar machen wollte, ist, dass Transparenz von zwei Seiten abhängt. Einerseits vom gewählten Politiker, andererseits aber auch vom Verhalten der „Rezipienten“. Einerseits brauchen wir ein Regelwerk, das Politiker zu transparentem Handeln verpflichtet. Und wir brauchen Mechanismen, wie der Bürger den Politiker überwachen kann. Das ist die eine Voraussetzung. Andererseits muss aber auch die Grundlage für ehrliche Transparenz geschaffen werden, weil man ein Regelwerk immer umgehen kann. Eine Grundlage für ehrlich transparentes Handeln besteht darin, nicht zu schnell über zu reagieren. Gerichtet Nachfragen zu stellen. Mit dem Politiker zu kommunizieren. Seine Unterstützung der guten Handlungen zu zeigen und die schlechten Handlungen konstruktiv zu kritisieren. Ohne diese Umgangsregeln verkommt Transparenz zu einem bloßen Überwachungs-Katz-und-Maus-Spiel, das nichts mit ehrlicher Politik zu tun hat. Und diese Umgangsregeln hängen von jedem ab. Von jedem Bürger, von jedem Mitglied der Basis. Wir selbst tragen die Verantwortung dafür, das ist unser Stück Verantwortung für die Demokratie.
Ich will zum Schluss ein positives Beispiel bringen.
Als ich mein Meinungsfindungskonzept einen Monat nach meiner Wahl zum Bundesvorstand auf meinem Blog veröffentlicht habe, habe ich gesagt: „Hier habe ich eine unausgereifte Idee, ich habe noch keine Ahnung, ob das funktionieren wird, aber was haltet ihr davon?“ Statt einem Flamewar vom Zaun zu brechen über jeden gedanklichen Fehler, den ich darin gemacht habe, haben mir viele ihre Unterstützung zugesichert und die Idee gelobt. Viele haben kritische Punkte freundlich eingebracht, die ich in das Konzept einbauen konnte. Ein paar haben Bedenken geäußert, alles diplomatisch. Mich als Politiker hat das dazu erzogen, euch zu vertrauen und euch meine Ideen in ganz frühen Stadien schon zu zeigen, damit sie an euch wachsen können. Ich habe keine Angst davor, einfach mal rum zu spinnen und dabei vielleicht etwas Falsches zu sagen, weil ihr es als genau das nehmt, was es ist: Ein transparentes Denken, ein Brainstorming. Und nur so kann das funktionieren. Brainstorming statt Shitstorming.
Wir dürfen alle nicht vergessen, dass die neue Art von Politik Verantwortung von jedem von uns erfordert. Die Verantwortung, die wir für uns selbst tragen, muss niemand anderes für uns tragen, und das macht uns letztlich frei.

Ein interessanter Artikel. Schön dass du das Problem mit der Spende aufgreifst. Was mich allerdings etwas missmutig stimmt, ist die Ankündigung, künftig “Störer” mit Ordnungsmaßnahmen “abzustrafen”.
Ich werde jetzt etwas polemisch: Der Buvo schafft es nicht, Mitglieder, die anderen Mitgliedern mit Gewalt drohen, oder psychische oder physische Gewalt angetan haben, in ihre Schranken zu weisen. Das “Pranger”-Foo des BGS-Leiters mit dem Veröffentlichen eines Hausverbotes bleibt ohne jede Folge, aber wenn es ums Geld geht seid ihr bereit, Ordnungsmaßnahmen zu verhängen. Von anderen Konflikten in der Piratenpartei, die einfach totgeschwiegen werden, fange ich hier jetzt nicht an.
Leider war es mir bisher nicht möglich, trotz Nachfrage und auch einer Bitte per Email an dich, mit dir persönlich diese Thematik zu sprechen, einen Austausch darüber stattfinden zu lassen.
Aber vielleicht fällt dir diese – in meinen Augen – Bigotterie doch selbst auch auf?
PS: Ich könnte nachvollziehen, wenn Du diesen Kommentar aufgrund der gesteigerten öffentlichen Wahrnehmung nicht freischaltest. Aber dann würde ich dich bitten mich persönlich zu kontaktieren.
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Hi,
ich habe deine Email zum persönlichen Kontakt bekommen, bin aber noch nicht dazu gekommen sie zu beantworten. Wie du dir vorstellen kannst, habe ich dieser Tage ziemlich viel um die Ohren. Insofern tut es mir leid. Ich hatte allerdings vor, dieses Telefonat mit dir zu führen.
Im Übrigen ist hier http://vorstand.piratenpartei.de/2011/08/08/personliche-beleidigungen-drohungen-und-angriffe/ nachzulesen, dass der Bundesvorstand genau solche persönlichen Beleidigungen und gar Gewalttätigkeiten verfolgen wird, die zum Glück in letzter Zeit nicht aufgetreten sind.
Wir behandeln hier also beides gleich. Solch ein Verhalten wird nicht toleriert und wenn wir jemandem Absicht in diesen Dingen nachweisen können, wird das auch verfolgt.
Ich hoffe, damit habe ich deine Kritik beantwortet.
Viele liebe Grüße,
Marina
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Danke! Wieder einmal klargestellt zu bekommen, dass Transparenz ein Wagnis ist und manchmal auch zu Fehlern führt und Scheitern, ist erfrischend. Demokratie kann man nicht auf Sicherheit fahren. Auch wenn sich die Politprofis in die Zwickmühle manövriert haben, immer alles richtig machen zu müssen und größere Aufgaben gar nicht erst anfassen oder wenn, dann versuchen, sie unter dem Radar (also intransparent) durchzumogeln.
Die nervöse Eile bei der Energiewende, wo im Windschatten des Atomausstiegs gleich noch eine ganze Fuhre an Maßnahmen beschlossen wurden, die viel größere Auswirkungen auf die Energiewirtschaft haben, ist da ein Beispiel.
Also danke für Deine Hinweise, sie sind nötig.
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Hallo Marina!
Ich finde es gut, das du weiterhin so offen und ehrlich mit uns, der Basis kommunizierst, deine Gedanken mit uns teilst und uns hin und wieder auch lieb auf die Finger haust, wenn dir Strömungen auffallen, die vielleicht in Zukunft zu größeren Konflikten führen könnten. Die Aussage deines Videos kann ich so voll und ganz mittragen. Mach weiter so.
alexkid
LV Sachsen-Anhalt, KV Magdeburg
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[...] gibts latürnich im Wiki der Paratenpartei. … Und noch ein Transparenz-Video “Brain- statt Shitstorming” der Geschäftsführerin Marina Weisband, hier quasi umme Ecke und ein mir sehr sympathischer [...]
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Ich finde die Piraten-Partei sollte überhaupt keine Spenden von Firmen oder ähnlichem annehmen. Spenden sollten ausschliesslich von privaten Bürgern kommen und darüber hinaus auch noch jährlich begrenzt sein.
Grossspenden sind eines unserer größten Probleme in unserer Lobby-Demokratie.
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Nachdem ich das Versammlungprotokol des erstes Treffen der Mandatsträger der Berliner Piraten gelesen habe, habe ich mir ähnliche Überlegungen im Bezug auf die Transparenz gemacht und du hast mir mit Sicherheit interesante Gedankenimpulse geliefert. Dafür vielen Dank.
Aber:
Mich hat u.a. überzeugt in Berlin für die Piraten zu stimmen das nicht “übertriebene Selbstdarstellung” und “sich ins rechte Licht rücken”, sondern vielmehr das Los über Listenplätze entscheidet.
Narziss vermiss ich nicht in den Reihen der Berliner Piraten
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Bei deinen Ausführungen kann ich weitgehend mitgehen. Auch ich denke, dass uns mehr Brainstorm und weniger Shitstorm gut tut.
Allerdings scheint mir ein Aspekt unterzugehen, der wesentlich zwischen Shitstorm und Brainstorm entscheidet, und der doch in deinen Beispielen direkt enthalten ist: Es ist die Art, wie der sich transparent Machende kommuniziert.
In deinem ersten Beispiel verfasst Anna einen Blogpost mit einer Begründung, vielleicht sogar einer Rechtfertigung, warum sie so vorgeht. Zwischen den Zeilen klingt es so, als wolle sie damit beweisen, dass ihr Weg der richtige ist, und die Kritiker möglichst zum Verstummen bringen.
Im zweiten Beispiel wird eine Tatsache gemeldet, die Fragen aufwirft, ohne darauf hinzuweisen, wo diese Fragen sinnvoll gestellt werden können. Jeder einzelne ist dafür verantwortlich, die Fragen erstmal an Rene zu stellen, das stimmt, anstatt unreflektiert die Firma zu stürmen. Doch Rene ist dafür verantwortlich, beim nächsten Vorfall an dieses Vorgehen zu erinnern, und um dieses Vorgehen zu bitten.
In deinem dritten Beispiel veröffentlicht eine politische Geschäftsführerin ein Konzept, ohne Anspruch, das gelbe vom Ei gefunden zu haben. Dann stellt sie die entscheidende Frage: “Was haltet ihr davon?”
Das ist die Frage, die die Menschen zum Brainstorming öffnet: Eine offene Frage, die mich einlädt, meine Meinung kundzutun – Zustimmung, Ablehnung, Ideen. Diese eine Frage macht den Unterschied.
Lass Anna den Blogpost schreiben, und ihn beenden mit: “Was haltet ihr davon? Ich freue mich auf euer konstruktives Feedback.” Lass Rene den Tweet absetzen, mit einem Link, auf dem Platz für Fragen und Diskussion ist. Dann werden die Beispiele anders ablaufen.
Auf die Qualität von Kommunikation haben beide Seiten gleichermaßen Einfluss. Wer geschlossen und rechthaberisch kommuniziert, wird eher Shitstorm ernten. Wer offen und undogmatisch funkt, wird mit Brainstom belohnt.
In diesem Sinne Danke für deine Art der Kommunikation, die es uns erleichtert, mit dem Geist statt dem Darm zu stürmen.
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Hi Johannes,
das ist ein verdammt guter Punkt! Vielen Dank dafür!
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Liebe Marina,
vielen <3lichen dank für das "schimpfen". Stehe voll dahinter.
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Liebe Marina,
ich finde Untertitel sehr wichtig. (siehe http://meinaugenschmaus.blogspot.com/)
Da der Text eh schon vorhanden ist habe ich eine Untertitel-Datei erstellt.
Diese .srt-Datei kannst du bei Youtube nun unter Untertitel hochladen.
Leider konnte ich sie noch nicht testen weil mir leider keine Videodatei zur Verfügung steht.
Übrigens, Weiter so.
http://dl.dropbox.com/u/34201431/brainstorm.srt
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Hi Marina,
ich gratuliere zu dem tollen Wahlergebnis in Berlin, endlich tut sich mal was!
Zum Thema Brainstorm fiel mir ein Bild ein, dass ich dir unbedingt zeigen wollte:
http://magiccards.info/query?q=brainstorm&v=card&s=cname
Tja, wie sagt man so schön, ein Bild sagt mehr als tausend Worte
LG, Marco
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Hallo,
ich denke Spenden sind tatsaechlich nicht das eigentliche Problem. Firmen die spenden muessen sich auch Rueckfragen gefallen lassen. Das sollte fuer eine Firma, welche nichts zu verstecken hat, dann auch kein Problem, ausser vielleicht einem gesteigerten Zeitaufwand, sein. Wenn den Firmen vorher klar gemacht wird dass sie gelistet werden, wenn sie spenden, dann sollte es im Nachhinein auch keine Veraergerung geben. Wenn die Firma X, wie beschrieben dann nur noch moralische Unterstuetzung liefern will, dann war diese so oder so kein guter Spender. Sollten sich die Piraten, wie die anderen Parteien auch, des Watens im Spendensumpf schuldig machen, waeren sie, und die Anzeichen sprechen vermehrt dafuer, nicht besser als die etablierten Politiker, welche nicht transparent arbeiten und in erster Linie an ihr eigenes Wohl denken, anstatt an das der Menschen. Meine Empfehlung waere daher, an der bisherigen Vorgehensweise nichts zu aendern. Geld gibt es auch fuer Waehlerstimmen, aber diese muessen durch Ehrlichkeit erarbeitet werden und wuerden evtl. durch mangelden Transparenz wieder verloren gehen.
Viele Gruesse,
Daniel
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Hallo Marina,
ein großes Problem unserer Gesellschaft ist der Neid, der in vielen Formen in Erscheinung tritt. Neid ist leider ein Grundgefühl unserer menschlichen Existenz und mithin überlebenswichtig für den Homo sapiens, sonst würden wir alle noch in Höhlen hocken wenn wir nicht neidisch aufeinander gewesen wären und dadurch weiterkommen wollten.
Neid erzeugt leider böse, ungute Gefühle, die wiederum in vielerlei Form in Eerscheinung treten, sei es heimliches Getuschel, offene üble Nachrede oder im Internet das neumodische Wort Shitstorm in Blogs oder Emails.
Der Neid werdet Ihr als Partei nicht abstellen können!
Angenommen, ihr seid in der Regierungsverantwortung und müßt etwas unpopuläres entscheiden.
Der Shitstorm der dann wie ein Tsunami gerade wegen Eurer Transparenz über Euch zusammenbrechen wird, den hat die Welt noch nicht gesehen! Und zwar dann in der Presse, in Blogs, in persönlichen verletzenden emails.
Angenommen jeder von Euch bekommt dann jeden Tag 20.000 ungute, böse emails, werdet Ihr dann damit fertig?
Oder zeigt Ihr dann ein natürliches Verhalten, zieht Euch ein bischen zurück, werdet indifferenter und damit intransparenter? Was aber dann ganz normal ist.
Die Grundsubstanz dieser nennen wir sie ruhig “Hasswelle”, die jeder Regierende mal ins Gesicht geklatscht bekommt, ist natürlich der Neid.
Vor der Presse solltet Ihr Euch auch in Acht nehmen. Da sie in Deutschland zum größten Teil bemerkenswert links ist; da gibts ne Untersuchung in der man Journalisten in D gefragt hat zu welcher politischen Ausrichtung sie eher tendieren, mit Tortendiagramm, ich glaube das Verhältnis war ca. 75:25; UND IHR bemerkenswert indifferent in der politischen Richtung seid, steht Ihr voll im Fokus.
Sie können Euch dann aber auch deshalb dann fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Vorsicht! Gerade weil die Presse eher links ist, sind die Grundtendenzen nicht vernünftig, “straight”, wahrheitsgemäß und klar sondern eher satirisch bis bösartig, wenn sie “einen mal auf dem Kieker haben”.
Menschen die sich nicht klar für ein Lager entscheiden sondern zwischen allen Stühlen stehen, denen traut man nicht.
Ihr seid bis jetzt viel zu blauäugig, auch weil Ihr jetzt gerade auf einer Welle der Sympathie schwimmt. (Wieder diese Wasseranalogie, ich glaub ich muß mal wieder im Schwimmbad ein paar Bahnen ziehen^^)
Ihr bekommt in Eurem politischen Dasein bestimmt noch oft eins auf die Nase, und da ist dann Eure jetzige gelebte ich sag mal naive Transparenz eher hinderlich.
Persönlich: Hallo Marina, schön daß Du auch Gothic hörst. Leider kannst Du den Lebenstil ja zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausleben ^^. Feier schön Helloween! Ich bin im Nachtwerk in Karlsruhe.
LG Sascha
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Hallo Marina,
erstmal lieben Dank für das Video:-)
Dem meisten kann ich zustimmen, aber mir fehlt dabei noch ein Puzzlestück: Es ist eine Frage, die ich mir an vielen Stellen immer wieder stelle und für das ich bisher noch keine befriedigende Antwort habe…
Wie du ja beschreibst, ist es eine Minderheit, die dagegen ist und durch einen Shitstorm das Gute (nicht der perfekte Ausdruck, aber ich denke du weisst was gemeint ist) kaputt macht. Die Frage ist: Wie verhindert man es, dass die Wenigen ein System kaputt machen (insb. wenn sie es in böser Absicht tun wollen).
Um etwas auszuholen: Vor ein paar Jahren, gabs ein Spiel, wo man online gemeinsam Pixel verschieben konnte um daraus ein Bild zu basteln. Das funktionierte auch wunderbar. Aber alle paar Minuten kam einer rein und hat das ganze Bild einfach kaputt gemacht. Einfach so. Ohne Grund. Irgendwann gab es dann mal einen Wettstreit zwischen den Konstruktiven und dem einen Destruktiven. Erst wo die Ratio 20:1 überstieg fingen die Konstruktiven an eine Chance zu haben.
Wie der Vorschreiber schon sagt: Den Neid wird man nie wegbekommen. Dahinter steht meines Erachtens aber immernoch der gute alte darwinsche Fortpflanzungstrieb. Jeder will für sich evolutionäre Vorteile haben. Je mehr Macht, desto besser. Dass eine Frau mehrere Männer hat, ist auch heute noch selten bei uns.. schwängern kann sie zu jeder Zeit aber immer nur einer. Dadurch kommt es zu Konkurenzkämpfen und Konflikten. – Das ist jetzt stark vereinfacht und polemisiert, aber die Mechanismen wirken immer noch. Die Menschen werden stets egoistisch handeln. Selbst alturistisches Handeln ist in der Regel egoistisch motiviert.
Selbst wenn man ein “perfektes” System baut, wird es immer Verlierer geben. Und wenn Intransparenz gegenüber Transparenz einen Vorteil hat, dann wird es auch Leute geben die Intransparent handeln.
Das ist erstmal das Problem. Die Lösung sehe ich bisher nur bruchstückhaft.. Spieltheoretisch gesprochen muss es ein System sein, das so gebaut ist, dass es mir durch “kaputt machen” kein Vorteil bietet. Oder anders gesagt: Maximal egoistisches Handeln muss dazu führen, sich “gut” zu verhalten. An sehr vielen Stellen wird dies durch eine Kombination aus geeignetem moralischem Wertekanon in Kombination mit Transparenz erreicht (d.h. destruktives Handeln wird als verwerflich erachtet, erkannt und auch entsprechend bestraft).
Der moralische Wertekanon ist eigentlich relativ leicht… die meisten Religionen bieten hier schon gute Ansatzpunkte und wenn man z.B. nach Japan schaut, sieht man auch, dass die Umsetzung auch einigermassen funktionieren kann. In Deutschland sind wir davon aber sehr weit weg…
Schwieriger sehe ich das Thema Transparenz… und damit komme ich wieder zurück zum Ursprung zurück. Intransparenz hat ja gerade das Problem, dass sie NICHT einfach aufgedeckt werden kann. Damit kann sich aber der Intransparente gegenüber dem Transparenten einen Vorteil verschaffen (mit einem gewissen Risiko ertappt zu werden), und wird es dementsprechend auch tun…
Und die Antwort auf die Frage wie man aus diesem Dilemma rauskommt, wird spannend werden und ich hoffe die Piraten finden sie… – LiquidDemocracy, Spakeria sind z.B. Ansätz aber noch lange nicht die Lösung…
Macht das geschriebene irgenwie Sinn?! – Ich hoff mal auch wenns am Ende nicht mehr ganz so stringent verargumentiert war…
liebe grüssle
0+1
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Die wenigen Destruktiven haben ja auch das Problem, das sie, wenn man sie ernst nehmen soll, aus ihrer Anonymität auftauchen müssen. Wer aber nur destruktiv handelt wird sich zwangsläufig in einem wirklich transparenten System selbst augrenzen. Die Transparenz wird hoffentlich auf Dauer dazu führen, dass Konstruktivität und Offenheit einfach besser *vermarktbar* ist.
Diese Denkweise zu etablieren ist wohl die Herausforderung der wir uns zu setellen haben.
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O je!
Da haben sich aber arg viele Fehler eingeschlichen!
Sorry
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Hallo 0+1,
ich denke es geht Dir hauptsächlich um diese Fragestellung:
“Die Frage ist: Wie verhindert man es, dass die Wenigen ein System kaputt machen (insb. wenn sie es in böser Absicht tun wollen).”
Ich denke diesem Problem kann man am Besten durch durch Offenheit und offensive Einladungen sich zu beteiligen durch Hilfe, Kritik, Verbesserung an die Gegner begegnen. Das Einbinden würdigt sowohl in der direkten als auch in der offentlichen Kommunikation. Im öffentlichen Bereich nimmt es einem Troll aber auch den Nährboden.
Benjamin
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Ich denken mal, “Verantwortung” ist eine Sache der Erziehung. Kommt eher in konservativen Elternhäusern vor als in Scheidungshaushalten, …
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Das stimmt Horst! Verantwortung setzt voraus, dass man sich an eine Sache binden kann, dass man auf eigene Egoismen verzichtet, zum Wohl des Ganzen. Leuten, die aus Verhältnissen stammen, in denen die Familie nicht intakt war, sind von vornherein fehlgeprägt. Die Linken sollten sich schon mal fragen, ob sie in ihrer “Substanz” richtig gepolt sind. Die Familie ist die Keimzelle des Staates. Dort findet die Erziehung statt, die später in der großen Welt wichtig ist. Mit Freiheit für alle, mit Geld für alle, mit Selbstverwirklichung und Wohlgefühl kann man keinen Staat regieren! Wir brauchen Menschen, die ein Pflichtgefühl entwickeln können, keine “Selbstverwirker”!
Deutsche Tugenden:
Aufrichtigkeit
Bescheidenheit (klassisch hierfür, nach dem Beispiel Kaiser und König Wilhelms I. von Preußen, die Kornblume als Lieblingsblume)
Disziplin
Fleiß
Gehorsam (jedoch nicht ohne Freimut)
Geradlinigkeit
Gerechtigkeitssinn („Suum cuique“ = Jedem das Seine)
Gottesfurcht bei religiöser Toleranz ( „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“)
Härte, gegen sich mehr noch als gegen andere
Mut
Ordnungssinn
Pflichtbewusstsein
Pünktlichkeit
Redlichkeit
Selbstverleugnung ( „Wer je auf Preußens Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm selbst gehört.“ [1])
Sparsamkeit
Tapferkeit ohne Wehleidigkeit („Lerne leiden ohne zu klagen“)
Treue
Unbestechlichkeit
Unterordnung
Weltoffenheit
Zurückhaltung („Mehr sein als scheinen!“)
Zuverlässigkeit
Welcher Politiker hat die heute noch?
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