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	<description>Bilder, Politik und Leben</description>
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		<title>Mir reichts jetzt.</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 08:53:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hab den Kaffee auf.
Gestern war ich auf einer Trauerfeier zum Jom HaSchoa, dem jüdischen Gedenktag zum Holocaust. Ich habe die Gebete mitgesprochen. Bei den Liedern habe ich kurz geweint.
Keine Stunde später musste ich mich von Friedmann dafür anschreien lassen, dass wir Nazis in der Partei dulden. Und er ist leider nicht der einzige.
Ich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hab den Kaffee auf.<br />
Gestern war ich auf einer Trauerfeier zum Jom HaSchoa, dem jüdischen Gedenktag zum Holocaust. Ich habe die Gebete mitgesprochen. Bei den Liedern habe ich kurz geweint.<br />
Keine Stunde später musste ich mich von Friedmann dafür anschreien lassen, dass wir Nazis in der Partei dulden. Und er ist leider nicht der einzige.<br />
Ich bin seit 5 Tagen unter engstem Termindruck in Berlin und versuche nach Kräften, die neuen Ideen, die wir haben, an Menschen zu vermitteln. Aber gefragt werde ich immer wieder nach den Rechten in unserer Partei. Dass sie parteiintern bei uns nichts zu melden haben und wenigstens regelmäßig auffliegen, ist dabei nicht interessant. Einerseits liegt das natürlich daran, dass es eine Angriffsfläche ist und andere Parteien Wahlkampf machen. Es liegt aber auch an unserer Reaktion darauf.<br />
Die meisten Piraten, die ich kenne, sprechen sich völlig klar gegen diese Menschen aus. Als das PAV von Thiesen gescheitert ist, haben alle kollektiv gekotzt. Aber einige schaffen es nicht, sich ohne Relativierungen einfach klar von solchem Gedankengut zu distanzieren. Einige verweisen gar auf die Meinungsfreiheit.<br />
Mit dieser Diskussion lenken wir prima von dem ab, was uns wichtig ist. Unsere Ideen versinken in lauter Müll und Dreck. Das will ich nicht stehen lassen.</p>
<p>Also Folgende Punkte:</p>
<p>1. Wir müssen Nazis nicht dulden.<br />
Meinungsfreiheit ist ein Gut der Gesellschaft. Juristisch muss der Staat es ertragen, wenn Rechte Zeug reden, das noch legal ist. Aber wir sind eine Partei! Parteien sind nicht stellvertretend für die ganze Gesellschaft oder den ganzen Staat. Parteien sind parteiisch. Parteien sind Zusammenschlüsse von Menschen, die mehr oder weniger ähnlich in ihren Idealen sind. Eine Partei muss nicht alles dulden, was der Staat duldet.</p>
<p>2. Wir müssen auch politisch vorgehen.<br />
Ich weiß, dass die meisten sich wünschen, bestimmte Typen, die rechtes Gedankengut verbreiten, aus der Partei zu schmeißen. Wir versuchen es jedes Mal. Aber die wenigsten PAVs kommen durch. Juristisch ist das nicht so leicht, was auch die SPD in jüngerer Zeit erfahren durfte. Die Grünen hatten bei ihrer Gründung ein gewaltiges Nazi-Problem. Aber sie haben es überwunden. Das geht nicht nur juristisch, das geht auch politisch. Wenn ein PAV scheitert, bleibt immer noch die Möglichkeit, als Partei deutlich zu machen, dass rechtes Gedankengut keinen Platz bei uns hat. Die Verbreiter dieser Meinungen und Lügen dürfen nicht auf Veranstaltungen eingeladen werden, keine Ämter bekommen, nicht für die Piraten sprechen.<br />
Rufe ich damit zum Mobbing auf? Nein, denn hier gibt es einen wichtigen Unterschied: Dieses politische Zeichen ist nicht bedingungslos. Es richtet sich nicht gegen den Menschen, sondern gegen die Meinung. Wenn der Rechte seine eigenen Aussagen und Ansichten revidiert, seine Einstellung glaubhaft ändert, bin ich die erste, die persönlich mit ihm oder ihr in Dialog tritt. Jeder hat die Chance, zu lernen. Aber nur, wenn man das offen und glaubhaft tut. Solange noch diskriminierende Aussagen jedweder Art fallen, will ich sie in dieser Partei nicht tolerieren.</p>
<p>3. Menschen und Ansichten.<br />
Nazis einfach aus allen Parteien auszuschließen oder politisch zu isolieren ist nicht die ganze Lösung des Problems. Dadurch geht es nicht weg. Wir müssen uns als Gesellschaft (nicht als Partei!) um diese Menschen kümmern, sie bilden, sie bekanntmachen, ihnen erklären. Wir müssen ihnen immer einen Rückweg offen lassen. Sie treffen die Entscheidung.<br />
Viele haben rechte Ansichten aus ihrem Elternhaus oder von ihren Schulfreunden mitbekommen. Wir dürfen diese Menschen nicht ohne Kampf dem Hass überlassen. Aber gegen die Ansichten, die sie vertreten, müssen wir erbarmungslos sein. Denn wir sind besser als die Nazis, wenn wir bestimmte Ideen ausgrenzen.</p>
<p>Ich fordere dazu auf, dass jeder Pirat sich deutlich, ohne Relativierung, distanziert von<br />
- Rassismus<br />
- Nationalsozialismus<br />
- Geschichtsrevisionismus<br />
- Antisemitismus<br />
- Islamophobie<br />
- Homophobie<br />
- Sexismus<br />
- und jedem weiteren Weltbild, das Menschengruppen ausgrenzt oder verachtet, wegen Dingen, für die sie nichts können.</p>
<p>Gebt mir euer /sign in den Kommentaren.</p>
<p>Wir sind doch eigentlich eine Partei, die darauf basiert, dass alle Menschen gleichwertig sind. Ich bin es leid, diese Debatte zu führen, die eigentlich keine sein sollte.</p>
<p>Fußnote:<br />
Friedmann hat mir in der Sendung ein Zitat von Hartmut Semken vor den Latz geknallt, wo dieser sinngemäß gesagt habe, Rechte und sonstige Andersdenkende auszugrenzen mache uns nicht besser als die NSDAP. Er fragte mich, ob ich seinen Rücktritt fordere. Ich weiß nicht, was im Zusammenschnitt der Sendung noch erhalten ist. Ich habe gesagt, dass ich mich mit dem Zitat befassen muss und sehen muss, ob er das wirklich so gesagt hat und dazu steht. Auf näheres Drängen von Friedmann habe ich gesagt, dass, wenn das so sei, ich, ja, seinen Rücktritt fordern werde.<br />
Ich tue dies explizit noch nicht. Ich tue dies nie unreflektiert, nur weil ich von einem schreienden und spuckenden Moderator wegen irgendwas angepflaumt werde.<br />
Ich habe Hartmut leider noch nicht telefonisch erreicht. Für mich ist wichtig, ob er zu diesem Satz steht.<br />
Lieber HaSe, ich wünsche mir im Lichte des obrigen Artikels eine klare und deutliche Distanzierung von dieser Aussage. Wenn es die schon gibt, schick mir bitte, wo. Ich mag dich und ich kann und will nicht daran glauben, dass das nach gründlichem Durchdenken in dieser Form deine Meinung sein kann.<br />
Ich wünsche es mir auch nicht nur von dir. Von allen, die das so sagen.<br />
Denn wirkliche Rechte in unserer Partei kann ich (soweit mir bekannt) noch an einer Hand abzählen. Aber Menschen, die sich über das Obrige keine Gedanken gemacht haben, gibt es leider viel mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>UPDATE: Ich hatte recht, nichts überstürzt zu fordern. Hartmut hat sich bereits entschuldigt. http://www.hase.net/blog/haseblog/hases_blog/Eintrage/2012/4/15_fighting_for_peace_is_&#8230;.html</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.marinaslied.de/?flattrss_redirect&amp;id=726&amp;md5=26d3e4744d95b39f5e376e1ac1d928a1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.marinaslied.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Warum die Piraten Flaschen sind</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 23:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160;

Ich habe vor einer Weile mal getwittert:

"Deutschland ist, wenn neben den Containern für Weiß- Grün- und Braunglas drei einsame blaue Flaschen stehen."

Mit 330 Favs und 350 Retweets ist das seltsamerweise mein bislang beliebtester Tweet. Wenn etwas so beliebt ist, muss es irgend einen Kern getroffen haben. Auf meinem Blog auf FAZ.net habe ich diesen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p>Ich habe vor einer Weile mal getwittert:</p>
<p><a href="http://favstar.fm/users/Afelia/status/158633469172391936" target="_blank">&#8220;Deutschland ist, wenn neben den Containern für Weiß- Grün- und Braunglas drei einsame blaue Flaschen stehen.&#8221;</a></p>
<p>Mit 330 Favs und 350 Retweets ist das seltsamerweise mein bislang beliebtester Tweet. Wenn etwas so beliebt ist, muss es irgend einen Kern getroffen haben. Auf meinem Blog auf FAZ.net habe ich diesen Gedanken in <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/skurril/archive/2012/01/16/eine-elegie-an-unsere-hausordnung.aspx" target="_blank">einem Artikel</a> ausformuliert und dabei eine zu starke Fixierung auf Kategorien und Regeln in einer Gesellschaft kritisiert.</p>
<p><img class="alignnone" title="Blaue Flaschen" src="http://faz-community.faz.net/cfs-file.ashx/__key/CommunityServer.Blogs.Components.WeblogFiles/skurril/flaschenpost.jpg" alt="" width="552" height="290" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein davon völlig unabhängiges Phänomen, das mit dem Beginn dieses Artikels gar nichts zu tun hat, ist die Berichtertattung über die Piratenpartei in den Medien, die wahrhaft zu einem Hype ausgewachsen ist. Der Postillon war so freundlich, <a href="http://www.der-postillon.com/2012/04/irgendetwas-uber-die-piratenpartei-um.html" target="_blank">alle Artikel über die Piratenpartei</a> zusammen zu fassen.<br />
Auffällig ist, dass viele Zeitungen, Fernsehsendungen, Politologen und andere Parteien nicht so recht wissen, was sie mit den Piraten anfangen sollen. Wo kommen sie her? Wo gehen sie hin? Das Rätsel des Erfolgs dieser Randsplitterpartei ist Zeichen des bisherigen Jahres 2012. Gleichzeitig bemühen wir Piraten uns ebenfalls, uns mitzuteilen, uns zu erklären. Aber irgendwie kommt das nicht zusammen. Was wir sagen wollen, kommt nicht an die Öffentlichkeit und was in der Öffentlichkeit über uns gesagt wird, ist oft schlicht nicht wahr. Zum Beispiel wollen wir das Urheberrecht nicht abschaffen. Aber das ist ein anderes Thema.</p>
<p>Die Frage, der ich gerade nachgehe, ist: Wie kommt es, dass es an einem Ende verwunderte Menschen gibt, die Fragen haben, und auf der anderen Seite Menschen, die gern antworten würden, und es kommt dennoch nicht zusammen?<br />
Ich komme zu dem Schluss, dass die Information, die wir geben,  aus Gründen nicht angenommen wird, die ich später erkläre. Auf der anderen Seite werden uns einfach nicht die richtigen Fragen gestellt.</p>
<p>Um es genauer zu sagen: Alle Fragen, die uns gestellt werden, zielen darauf ab, uns in eine Kategorie zu stecken. In eine Schublade, die der Politikbetrieb gewohnt ist. Sind wir eine Volkspartei oder eine Protestpartei? Sind wir links oder rechts? Sind wir die neue FDP oder die neue LINKE?<br />
Wenn wir daherkommen und auf diese Fragen antworten: Wissen Sie, das sind keine Kategorien, in denen wir denken. Wir haben da andere Kategorien und haben dieses neuartige Programm geschaffen, stutzt man und fragt weiter.</p>
<p>So werden wir Vorstände häufig gefragt: &#8220;Wie stehen Sie zu Afganistan?&#8221; Ich antworte dann meistens: &#8220;Wissen Sie, wir haben im Moment eine rege Diskussion intern. Im Moment erscheint mir die Haltung der Partei insgesamt interventionskritisch, aber wir haben noch nichts abgestimmt, daher kann ich an dieser Stelle keine offizielle Position nennen.&#8221; &#8220;Ja, aber Sie haben doch eine Meinung dazu?&#8221;, haken sie nach. Und ich sage: &#8220;Ja, ich habe eine persönliche Meinung. Aber die spielt in unserer Partei keine Rolle und ich würde unsere Wähler nicht schlauer machen, wenn ich sie veräußere. Ich habe nämlich auch nur eine Stimme. Ich glaube daran, dass viele gemeinsam bessere Positionen erarbeiten, als einige Wenige.&#8221; &#8220;Aha, aha&#8221;, nickt der Journalist dann und macht Notizen. Ich fahre fort: &#8220;Darum nehmen wir uns initial Zeit, ein gutes und fundiertes Programm zu erarbeiten, bei dem jedes unserer Mitglieder mitsprechen kann, anstatt Vorstände entscheiden zu lassen.&#8221; &#8220;Aha, aha&#8230;&#8221; &#8220;Ja, dafür eignet sich ganz gut unser Tool Liquid Feedback&#8230;.&#8221; &#8220;Ok, aber wie steht denn Herr Nerz zum Afganistan-Einsatz?&#8221;<br />
Das sind die Momente, in denen ich begreife, dass man mir kein Stück zugehört hat. Das eigentlich Revolutionäre, das wir machen, das wir ausprobieren &#8211; Partizipation, die Entwicklung komplexer Lösungen für komplexe Probleme, deren Rezept wir in Zukunft so oft brauchen werden &#8211; das wird übergangen. Man möchte in den üblichen Rahmen berichten.</p>
<p>Man stellt uns die Fragen, die man den Grünen vor 30 Jahren gestellt hat, und erwartet von uns Antworten darauf. Die Frauenfrage? Frieden? Wie ist denn das alles? Man stellt uns Fragen, mit denen sich die gegenwärtige Regierung rumschlagen muss, und auf die sie selbst keine Antworten kennt: Euro-Krise &#8211; was tun? Und weil wir auf diese Fragen keine Antworten haben, titelt man dann auch so: Piraten haben keine Antworten. Piraten haben kein Programm.<br />
Es ist aber auch so, dass niemand uns nach dem fragt, womit wir uns beschäftigt haben: Die Fragen der Zukunft.<br />
Viele unserer Güter sind verlustfrei kopierbar geworden. Wie können wir als Gesellschaft damit umgehen und dabei Künstler weiterhin entlohnen? Welche Möglichkeiten bietet das Internet für Transparenz und Partizipation? Was ist in Zeiten von Facebook öffentlich, was privat? Wie kann unsere Wirtschaft funktionieren, wenn es nicht mehr Arbeit für jeden gibt, weil wir so viel automatisiert haben? Wie sieht eine Familie jenseits des klassischen Familienbildes aus? Was muss ein Kind an der Schule heutzutage lernen; und wie?</p>
<p>All das sind Fragen, auf die wir <a href="http://www.piratenpartei.de/politik/themen/" target="_blank">Antworten</a> haben oder erarbeiten. Mit denen wir uns jedenfalls beschäftigen und in denen wir über Expertise verfügen. Aber es sind bisher keine relevanten Fragen der Berichterstattung, also werden sie kaum erwähnt.</p>
<p>Im Prinzip ist das wie bei dem Bild mit den Containern oben. Auf einem Container könnte Links stehen, auf einem Rechts und auf einem Neoliberal. Und wir Piraten sind drei blaue Flaschen, die daneben stehen und über die sich jeder wundert: Was ist das denn? Wo kommen die her? Wo schmeiße ich die denn jetzt rein?</p>
<p>Aber wir sind eben keine weißen, grünen oder braunen Flaschen. Wir sind blaue Flaschen. Wir sind neu. Vielleicht kann man das Bild erweitern? Oder vielleicht kommen wir sogar einst ohne Container aus und machen hübsche Buntglasfenster zusammen?</p>
<p>Dieser Artikel ist übrigens kein &#8220;Mimimi die Medien berichten so schlecht über uns&#8221;-Artikel. Die Medien berichten gerade klasse über uns und viel. Ich möchte von meiner Seite das gegenseitige Verständnis vertiefen und Erklärungen anbieten. Dialog wird uns alle retten.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.marinaslied.de/?flattrss_redirect&amp;id=720&amp;md5=e46b83c299df88e7b30b6d7fc2fef355" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.marinaslied.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was nicht in der FR stand&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2012 09:23:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe der FR gestern morgens ein Interview gegeben, das ihr hier lesen könnt: http://www.fr-online.de/politik/piratin-marina-weisband--das-internet-verleitet-dazu--sich-hochzuschaukeln-,1472596,14644236.html
Seit es draußen ist, habe ich natürlich Feedback dazu bekommen und sehe, dass Gedanken, die ich darin veräußert habe, nicht so angekommen sind, wie ich sie gemeint habe. In Interviews hat man leider nur begrenzt Platz und als Interviewter keine ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe der FR gestern morgens ein Interview gegeben, das ihr hier lesen könnt: <a href="http://www.fr-online.de/politik/piratin-marina-weisband--das-internet-verleitet-dazu--sich-hochzuschaukeln-,1472596,14644236.html">http://www.fr-online.de/politik/piratin-marina-weisband&#8211;das-internet-verleitet-dazu&#8211;sich-hochzuschaukeln-,1472596,14644236.html</a><br />
Seit es draußen ist, habe ich natürlich Feedback dazu bekommen und sehe, dass Gedanken, die ich darin veräußert habe, nicht so angekommen sind, wie ich sie gemeint habe. In Interviews hat man leider nur begrenzt Platz und als Interviewter keine Auswahl, was gekürzt und was gedruckt wird. Wenn man es nicht bei Phrasen belässt, sondern versucht, neue Gedanken zu erarbeiten, steht dann da das Zitat, aber nicht die Überlegung dahinter. Aber da wir ja den praktischen Rückkopplungskanal haben und ich auch selbst publizieren kann, kann ich die Gedanken hinter meinen Äußerungen kurz an dieser Stelle verdeutlichen.</p>
<p>Wie ich Twitter verstanden habe, war die Hauptkritik, dass ich zu sehr auf das &#8220;Das Internet ist schuld&#8221;-Spiel eingestiegen bin. (&#8220;Das Internet verleitet dazu, sich hochzuschaukeln&#8221;, das zufällig auch die Überschrift des Artikels geworden ist.)<br />
Außerdem habe ich wörtlich gesagt: &#8220;Die größere Bedrohung der Freiheit im Netz sind nicht Vorratsdatenspeicherung, Zugangsbeschränkung oder ACTA – sondern dieser Umgang miteinander. Freiheit bringt auch Verantwortung mit sich.&#8221;</p>
<p>Das ist nicht falsch zitiert, das habe ich so gesagt. Was habe ich gemeint?</p>
<p>Ihr wisst, dass ich die Infrastrutkur Internet liebe und letzlich die letzten zwei Jahre meines Lebens mit dafür investiert habe, sie zu verteidigen. Sie war und ist Bedrohungen in Form von Gesetzen ausgesetzt, die sie beschneiden und verstümmeln würden. Damit wäre die Erfindung obsolet, denn ihre Chancen ließen sich nicht nutzen. Im Fall einer repressiven Regierung (wie ich im Interview ausführlich darlegte, was recht kurz auch gedruckt wurde) würden diese Mittel uns gar eines wichtigen Mittels berauben, uns zu wehren. Ich stehe gegen solche Gesetze entschieden ein, wie eh und je. Aber &#8211; es sind Gesetze. Dagegen kann man einstehen.</p>
<p>Wogegen man schwerer einstehen kann als Einzelner ist das menschliche, das gesellschaftliche Verhalten. Das kann nur geändert werden, wenn die meisten es (sich!) gleichzeitig ändern wollen, was schwierig zu erreichen ist. Dieses menschliche Verhalten ist <em>auch</em> im Internet ein Problem. Und ich spreche hier nicht nur von &#8220;Beleidigungsmails an Politiker&#8221;. Geschenkt. Das ist nur ein Symptom. Ich spreche vom Miteinander. Das habe ich sehr eindringlich gespürt, als ich einem Journalisten begegnet bin, der die Kommentare unter seinen Artikeln auch tatsächlich liest. Was für ein wundervoller Feedbackkanal und er wird oft genug für Beleidigungen des Autors benutzt. Menschen werfen mit Dreck. Das ist das Problem. Sowohl online, als auch offline. Und seit Jahrtausenden.</p>
<p>Wenn wir daran aber nicht arbeiten, heben wir selbst viel von den demokratischen Chancen des Internets aus. Gerade weil wir wollen, dass auch Minderheitenmeinungen vertreten werden können. Wir können natürlich die technischen Mittel bereit stellen (Anonymität, Plattformneutralität) &#8211; aber an der menschlichen Angst davor, beleidigt und erniedrigt zu werden in den Reaktionen, ändern wir gar nichts. Die Minderheiten werden dann möglicherweise weiterhin schweigen und berechtigte und wichtige Kritik bleibt verborgen. Wenn Konservative eine &#8220;Klarnamenspflicht&#8221; im Internet fordern, versuchen sie, menschliche Probleme mit technischen Mitteln zu lösen und sind damit zum Scheitern verurteilt. Als ob es an Schulen kein Mobbing von Angesicht zu Angesicht gäbe. Die Anonymität ist nicht das Problem. Der Mensch ist das Problem.</p>
<p>Darum sagte ich, dass die Umgangsform die größere Gefahr ist. VDS, ACTA etc. wären verheerender, aber die Umgangsform lässt sich schwerer ändern. Und das macht sie gefährlicher.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Übrigen klingt man immer sehr pessimistisch, wenn man auf Gefahren hinweist, obwohl ich deutlich sagen muss, dass ich an Mittel und Wege glaube, das zu ändern (<em>uns</em> zu ändern) und auch eine sehr positive Entwicklung sehe. Wir dürfen diese Aufgabe nur nie vergessen, weil der Staat uns gleichzeitig auch noch doofe Gesetze aufschwatzen will.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Konstruktive Kommentare wie immer willkommen. :p</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.marinaslied.de/?flattrss_redirect&amp;id=718&amp;md5=c03cb0a4b4954166cfc01d0e09c1b7df" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.marinaslied.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Das Grundlegende an den Piraten</title>
		<link>http://www.marinaslied.de/?p=714</link>
		<comments>http://www.marinaslied.de/?p=714#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 12:13:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich werde heute morgen in zig Interviews ungefähr dasselbe gefragt. Eigentlich auch schon seit Monaten. Es gibt ein paar Fragen, die tauchen einfach immer wieder auf, und die Öffentlichkeit und wir selbst tun uns mit ihrer Beantwortung sehr schwer. Ich halte darum hier meine Antworten auf das fest, was anscheinend am meisten interessiert und ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich werde heute morgen in zig Interviews ungefähr dasselbe gefragt. Eigentlich auch schon seit Monaten. Es gibt ein paar Fragen, die tauchen einfach immer wieder auf, und die Öffentlichkeit und wir selbst tun uns mit ihrer Beantwortung sehr schwer. Ich halte darum hier meine Antworten auf das fest, was anscheinend am meisten interessiert und zu den meisten Missverständnissen führt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>1. Wofür steht die Piratenpartei?</strong></p>
<p>Ich antworte darauf normalerweise mit drei grundlegenden Sachen, die miteinander zusammenhängen:</p>
<p><strong>I. Informationsfluss</strong><br />
Wir erleben, dass die Gesellschaft sich weltweit verändert. Wir sind mit einander vernetzt und das Hauptkapital ist (im Gegensatz zu Ackerland oder Arbeitskraft) jetzt Wissen und Information. Diese Vernetzung und dieser Informationsfluss haben Vor- und Nachteile, Chancen und Risiken. Wir beschäftigen uns damit und versuchen, die Gesetzeslage an dieses Phänomen anzupassen. Daraus ergeben sich unsere Positionen zu <a title="Bildung" href="http://www.piratenpartei.de/politik/wissensgesellschaft/bildung/">Bildung</a> (Informationsprocessing), <a title="Transparenz" href="http://wiki.piratenpartei.de/Positionspapiere#Transparenz_und_Korruptionsbek.C3.A4mpfung">politischer Transparenz</a> (Informationsfluss aus der Politik), <a title="Demokratie" href="http://www.piratenpartei.de/politik/staat-und-demokratie/mehr-demokratie/">Bürgerbeteiligung</a> (Informationsfluss in die Politik), <a title="Datenschutz" href="http://www.piratenpartei.de/politik/selbstbestimmtes-leben/privatsphaere-und-datenschutz/">Datenschutz </a>(informationelle Selbstbestimmung), <a title="Urheberrecht" href="http://www.piratenpartei.de/politik/wissensgesellschaft/urheberrecht/">Urheberrecht</a> (Kopierbarkeit und Umgang damit). Wir wollen einerseits Gesetze, andererseits einen Politikstil, die in die Zeit und zu den Gegebenheiten passen.</p>
<p><strong>II. Freiheit</strong><br />
Weil wir viele sehr individuelle Menschen heutzutage haben, können wir keine Politik machen, die alle zufrieden macht. Wir wollen aber möglichst viele zufrieden machen. Also arbeiten wir mit Freiräumen und Selbstverantwortung. Jedem Menschen soll ein Freiraum gehören, der so groß ist, dass er den Freiraum des Anderen nicht beschneidet (Unterschied zu Anarchie, lieber Herr Lindner). In diesem Freiraum soll der Mensch die Verantwortung für sich selbst tragen. Aus diesem Punkt ergeben sich unsere<a title="Familienpolitik" href="http://www.piratenpartei.de/politik/selbstbestimmtes-leben/geschlechter-und-familienpolitik/"> Familienpolitik,</a> <a title="Suchtpolitik" href="http://www.piratenpartei.de/politik/selbstbestimmtes-leben/drogen-und-suchtpolitik/">Suchtpolitik</a>, Bürgerrechtspolitik und bald andere.</p>
<p><strong>III. Gesellschaftliche Teilhabe</strong><br />
Der Freiraum jedes Menschen soll (und das unterscheidet uns von anderen liberalen Parteien) nicht davon abhängen, wie stark oder reich der Mensch ist. Freiraum und Entfaltungsspielraum muss allen gewährt werden. Daher haben wir viele soziale Positionen wie das Recht auf soziale Teilhabe, <a title="Arbeit und Soziales" href="http://www.piratenpartei.de/politik/gesellschaftliche-teilhabe/arbeit-und-soziales/">Mindestlohn bis Bediungsloses Grundeinkommen</a>, <a title="Integrationspolitik" href="http://www.piratenpartei.de/politik/gesellschaftliche-teilhabe/migration-und-integration/">Integrationspolitik</a>, Fahrscheinloser Nahverkehr in Berlin etc.</p>
<p>Man kann also durchaus argumentieren, dass wir auf eine neuartige weise sozialliberal sind, ohne uns irgendwo im Rechts-links-Schema wirklich einordnen zu können. Vielleicht müssten wir aber auch einfach mal die Bezugsysteme abstreifen und nur auf die Inhalte gucken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>2. Aber Piraten haben überhaupt keine Inhalte!</strong></p>
<p>Erstens: Falsch. Unser Programm ist <a title="Wahl- und Grundsatzprogramme" href="http://www.piratenpartei.de/politik/wahl-und-grundsatzprogramme/" target="_blank">hier </a>zu finden. Wir haben auch teilweise extrem detailierte und konkrete Forderungen sogar auf Bundesebene, wenn man sich beispielsweise die geplante Reform des Urheberrechts ansieht, die 86 Einzelparagraphen ändern möchte.<br />
Das Problem ist ein anderes. Das Problem ist, dass wir Antworten auf Fragen haben, die noch gar nicht gestellt werden. Fragen, die in 4 oder 5 Jahren auftauchen werden und dann hochaktuell sind. Fragen, die Antworten erfordern werden. Beispielsweise: Wie verbauen wir die Möglichkeiten des Internets in den demokratischen Prozess, ohne Wahlcomputer zu benutzen? Da sind viele Fragen.<br />
Wohingegen wir keine einheitlichen Antworten auf Fragen haben, die jetzt hochaktuell sind, wie die Schuldenkrise. Da schreien die Leute: &#8220;Das kann doch nicht sein, dass eine Partei keine Antwort auf etwas so wichtiges hat!&#8221; Stimmt. Zumindest keine größere Partei. Die meisten kleinen Parteien haben keine Antwort darauf, die kümmern sich um die Themen, die sie überhaupt dazu gebracht haben, eine Partei zu werden. Was man dabei aber nicht außer Acht lassen darf: Bis vor einem halben Jahr <em>waren</em> wir eine kleine Partei. Wir hatten keinen eigenen Balken, niemand hat uns nach Antworten gefragt oder sich irgendwie dafür interessiert. Und das ist, worauf wir ausgerichtet waren: Dass wir noch viel Zeit haben. Also haben wir uns mit den Fragen der Zukunft beschäftigt und unsere Zeit abgewartet. Und plötzlich wählen die uns.<br />
Das ist gut und super. Und wir werden uns fix an die neuen Bedingungen anpassen. Immerhin das können wir gut. Wir wollen im November ein Wirtschaftsprogramm beschließen, um auch die letzte große Lücke zu schließen. Und wir brauchen mehr detaillierte Antworten. Aber das braucht eben ein bisschen Zeit. Die Veränderungen sind schneller gekommen, als wir erwartet haben. Das ist keine Verfehlung der Partei, es ist ein Problem, das wir lösen müssen. Am besten gemeinsam mit allen.<br />
Haben wir also ein Programm? Ja. Ein Großartiges. Könnten wir damit jetzt gleich regieren? Nein. Wollen wir das überhaupt? Nein.<br />
Es wird eine Zeit kommen, wo es anderen Parteien, die jetzt auf alles eine Antwort haben, an Antworten mangeln wird. Dann können wir hoffentlich unter die Arme greifen.</p>
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<p><strong>3. Die Piraten sind unberechenbar!</strong></p>
<p>Stimmt nicht, wir sind demokratisch. Unsere Kandidaten sind nicht vorhersehbar, weil sie nicht vom Vorstand eingesetzt werden, sondern von der Basis gewählt werden. Das mögen die Medien an uns nicht, aber so ist Demokratie halt. Unsere Programmpunkte werden durch eine Mehrheit der Mitgleider beschlossen. Können sie deshalb ausfallen, wie sie wollen? Macht uns das unberechenbar? Nein. Sie richten sich alle nach den Prinzipien, die ich unter Punkt 1. schon aufgeführt habe.  Die stehen in unserem Grundsatzprogramm. Ansonsten: Was ist zuverlässiger als das, was alle gemeinsam in einem langen und nervötenden demokratischen Prozess erarbeitet haben? Diese Dinge sind wenigstens beständig. Es braucht eine große Masse, sie zu ändern. Nicht den Richtungswechsel eines Einzelnen. Damit sind wir sogar zuverlässiger.</p>
<p>Wir wären vermutlich kein beliebter Koalitionspartner. Erstens würden wir nach Geschmack der anderen Parteien wohl viel zu viel öffentlich machen, zweitens mögen wir keinen Fraktionszwang. Es liegt mehr in unserer Art, mit wechselnden Mehrheiten zu arbeiten, weil das viel besser die Mehrheitsverhältnisse in der Bevölkerung abbildet. Sonst würden ja 4% darüber entscheiden, ob schwarzgelb oder rotgrün regieren, was völlig verschiedene Regierungen wären, obwohl 4% kein großer Unterschied sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>4. Was ist das Geheimnis der Piraten?</strong></p>
<p>Dass es kein Geheimnis gibt. Wir machen Politik so, wie wir sie haben wollen, frei nach Schnauze und nach dem, was wir für richtig halten. Es gibt keinen Masterplan. Wir glauben an unsere Ziele und es geht uns dabei nicht um Macht. Ob wir so bleiben, das ist eine wichtige Frage. Das hängt von uns ab. Ich denke, noch eine Weile.<br />
Und solange das so ist, gibt es nur einen Weg, die Piraten loszuwerden: Kopiert unsere Forderungen. Kopiert unseren Stil. Kopiert uns. Macht es besser, als wir. Und versucht es nicht, in dem ihr &#8220;Netzpolitik&#8221; sagt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das sind grundsätzliche Überlegungen, von denen ich ausgehe, wenn ich bei Interviews oder Bürgern antworte. Vielleicht verbessert ihr etwas, dann in den Kommentaren. Aber ich halte es für wichtig, das mal festzuhalten und zu verbreiten.<br />
Also verbreitet es, wenn ihr es hilfreich findet. <img src='http://www.marinaslied.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Frauentag &#8211; Die Welt verändern</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 08:29:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophisch]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauentag]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute ist Frauentag. Bei uns in der Sovietunion war der 8. März einer der höchsten Feiertage im Jahr. Jedes Mädchen, jede Frau bekam Blumen, Gratulation, wurde mit besonderer Ehrerbietung behandelt. Einfach, weil sie da war. Einfach aus Dankbarkeit für alles, was Frauen für die Gesellschaft leisten.
Hier in Deutschland steht der Tag im Namen des ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist Frauentag. Bei uns in der Sovietunion war der 8. März einer der höchsten Feiertage im Jahr. Jedes Mädchen, jede Frau bekam Blumen, Gratulation, wurde mit besonderer Ehrerbietung behandelt. Einfach, weil sie da war. Einfach aus Dankbarkeit für alles, was Frauen für die Gesellschaft leisten.<br />
Hier in Deutschland steht der Tag im Namen des Kampfes für die Gleichberechtigung der Frau. Es geht darum, dass wir noch immer soziale Ungleichheiten haben, dass noch immer die Biologie zwischen den Beinen zu oft über Erfolg und Misserfolg, über Respekt und Verniedlichung entscheidet.<br />
Und in mir vermischt sich alles.</p>
<p>Können Frauen und Männer dasselbe? Ich glaube, darüber müssen wir uns nicht streiten. Natürlich haben Männer und Frauen für eine Gesellschaft das gleiche Potential. Trotzdem werden unsere Jungen und Mädchen noch immer unterschiedlich erzogen. Und zwar nicht aufgrund ihrer Vorlieben, sondern aufgrund ihres Geschlechts. Ich sehe dir zwischen die Beine und finde es lächerlich und peinlich, wenn du mit einer Puppe spielst. Sozial sein, mütterlich kümmern, das ist etwas für Mädchen. Technik und bauen und Autos, das ist für Jungen. Und dann geht ein überraschter Aufschrei durch die Gesellschaft, wenn man feststellt, dass im Informatikstudium nur 10% der Studenten weiblich sind, im Psychologiestudium hingegen 90%. Fakt ist, dass wir bei Männern und Frauen gleichermaßen Potential töten. Zumindest darin sind wir schonmal gleichberechtigt. Bei Jungen wird das Potential der Fürsorge, der Sanftheit und des Verständnisses unterdrückt, bei Mädchen das Potential der kühlen Analyse, des lauten Sprechens und des aktiven Veränderns.<br />
Und warum? Wegen ein paar gesellschaftlichen Rollenverteilungen, die vor einigen Hundert Jahren vielleicht mal notwendig gewesen waren. Gerade heute, am Frauentag, müssen wir aktiv über Kindererziehung sprechen. Wenn wir unseren Kindern erlauben, das zu sein, was sie gern sein wollen, brauchen wir vielleicht in 20, 30 Jahren keinen solchen Tag mehr. Vielleicht können sich dann einfach alle Menschen mit Blumen beschenken, alle gegenseitig, einfach aus Dankbarkeit.</p>
<p>Was ist aber mit dieser, mit der jetzt erwachsenen Generation? Müssen wir einfach alt werden und sterben, Platz machen? Oder müssen wir uns Kleinkriegen über Gendering und Gender Gap und Hosen verlieren?<br />
Liebe Frauen und Mädchen, ausnahmsweise richte ich mich mal an ein biologisches Geschlecht.<br />
Streitet euch nicht über das, wie man als Frau zu sein hat. (Kritisiert zum Beispiel nicht, dass ich im letzten Satz &#8220;man&#8221; geschrieben habe.) Tragt Hosen, wenn ihr Hosen mögt. Tragt Röcke und Rüschen, wenn ihr das mögt. Fühlt euch schön, oder fühlt euch draufgängerisch, schminkt euch, oder wascht euch nicht, macht alles gleichzeitig. Lasst euch die Tür aufhalten, oder geht einfach hindurch, oder haltet sie selbst jemandem auf. Schlaft mit Männern oder mit Frauen, oder mit beiden gleichzeitig. Seid glücklich. Aber schaut um euch herum. Menschen haben dort Probleme, es ist noch viel zu basteln an der Welt. Verändert sie! Egal, in welchem Bereich. Wo auch immer ihr euch kompetent fühlt, oder wo ihr gern kompetent wäret. Tut, was ihr könnt, und lernt, was ihr nicht könnt. Stürmt die Politik und beharrt darauf, dass euer Geschlecht dort nicht von Belang ist. Sprecht laut, wenn ihr gehört werden wollt. Hört zu, wenn ihr zuhören wollt. Aber lernt und tauscht euch aus. Es ist möglich, eine Gesellschaft zu formen. Es ist möglich, Frieden zu stiften. Es ist möglich, anderen zu helfen. Und das betrifft alle Menschen, aber ich erzähle es euch, weil die Männer schon seit hunderten von Jahren damit angesprochen werden.</p>
<p>Mein Geschlecht spielt eine so starke Rolle, wie ich es selbst will. Im Bett eine große, in der Politik gar keine. Ich werde Kleider tragen und mit meinen Stöckelschuhen fest auftreten, wenn ich meinen Punkt machen will. Und eine andere wird Jeans tragen und es wird für uns beide okay sein, weil keine sich verkleidet, weil beide sich wohl fühlen. Und egal, was wir tragen, wir werden das gleiche Recht haben, ernst genommen zu werden.</p>
<p>Denn das Geschlecht spielt keine Rolle, wenn man die Welt verändert.</p>
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		<title>Eine halbe Analyse von Antisemitismus &#8211; im Pyjama bei Jauch</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 21:30:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus meinem Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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Als ich von der Redaktion von Jauch gefragt wurde, ob ich in eine Sendung über Antisemitismus und Auschwitz kommen möchte, musste ich mir das erstmal überlegen. Ich bin nicht der große Experte zu dem Thema. Ich bin kein Historiker, keine Überlebende, ich weiß nicht einmal, ob meine eigene Familie im Holocaust Verluste hatte. Ich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/X6ZGUD1K9_0?rel=0" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
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<p>Als ich von der Redaktion von Jauch gefragt wurde, ob ich in eine Sendung über Antisemitismus und Auschwitz kommen möchte, musste ich mir das erstmal überlegen. Ich bin nicht der große Experte zu dem Thema. Ich bin kein Historiker, keine Überlebende, ich weiß nicht einmal, ob meine eigene Familie im Holocaust Verluste hatte. Ich kann nichts tun, als in der Rolle einer jungen Jüdin in Deutschland dort aufzutreten und zu erzählen, welche Erfahrungen ich gemacht habe, wie ich die Welt sehe und wie mein eigenes Verarbeiten funktioniert. Genau das, so haben meine Freunde mich überzeugt, solle ich aber tun. Also ging ich hin. Ich ging auch hin, weil ich diese Sendung als Chance sah, eine Debatte anzustoßen. Vielleicht eine Debatte darum, wie die Diskussion rund um den Holocaust in der dritten Generation geführt werden könne; denn eins ist klar &#8211; wir können weder das Schweigen der ersten Generation, noch das betretene, verstörte, reine Erinnern der zweiten Generation kopieren, sondern müssen unsere Erfahrungen auf diesen Jahren aufbauen. Wir müssen zurecht kommen damit, dass einige in unserer Gesellschaft diese Lektion der Geschichte nicht gelernt haben. Wir müssen uns fragen, warum das so ist.<br />
Ich widmete mich denn auch der Recherche dieser Frage zur Vorbereitung auf die Sendung. Als erstes schaute ich mir als Forschungsmaterial jene Anfeindungen an, die ich selbst erhielt. Mir war früher schon oft daran aufgefallen, dass einige davon nicht wirklich überzeugt von ihrer eigenen Judenhassrhetorik klingen. Die Phrasen sind wie abgeschrieben, aneinandergeklatscht, mit unklarem Ziel. Ich denke, das Ziel besteht oft &#8211; nicht immer, vielleicht nichtmal meistens &#8211; auch im Provozieren. Denn mit kaum einem anderen Thema kann man so viele Gemüter erregen. Natürlich gibt es da auch die, die aus irgendwelchen Gründen glauben, von den Juden gehe eine Gefahr aus. Aber viele klingen eher trotzig. Mir wurde auf Twitter nach der Sendung unterstellt, dass ich, indem ich diesen Trotz anspreche, die Antisemiten verharmlosen würde. Das tue ich auf keinem Fall! Wenn jemand solche Sachen schreibt, wenn jemand Hass schürt, ist er gefährlich, egal was seine Motive sind. Wenn ich aber verhindern will, dass dieser Hass geschürt wird, muss ich die Motive verstehen. Da reicht es nicht zu sagen: &#8220;Das sind alles furchtbare Menschen, man darf nicht mit ihnen reden, man darf ihnen nicht zuhören&#8221;. Die Dämonisierung hat uns bisher nicht weit gebracht, denn 20% sind nach neuesten Studien eben latent antisemtisch. Ich kämpfe gegen verachtende Ideologien, aber nicht gegen Menschen. Also verharmlose ich gar nichts, wenn ich versuche, die Gründe aufzuzeigen. Es ist mein fester Glaube, dass ich damit effektiver Prävention betreiben kann.<br />
Ich habe über Twitter tatsächlich mit Menschen sprechen können, deren Meinung es war, dass es die Meinungsfreiheit bescheide, wenn man nichts gegen Juden sagen dürfe. Zwar ist mir selten solcher Schwachsinn begegnet, aber ich kann nachvollziehen, wie ein Mensch möglicherweise zu dieser Ansicht kommt. Ich wurde zum Beispiel gefragt, ob es böse sei, wenn man Friedman blöd findet. Das war eine vorsichtige, verschämte Frage. Der Mensch wollte nicht als Antisemit erscheinen. Ich fragte: &#8220;Findest du ihn blöd, weil er Jude ist?&#8221; und er sagte: &#8220;Nein, ich mag einfach seine persönliche Art nicht&#8221;. &#8220;Dann bist du auch kein Antisemit&#8221;, sagte ich. Das vertrackte ist, dass viele Antisemiten glauben, man dürfe Juden nicht kritisieren. Das stimmt aber nicht. Man darf nur nicht &#8220;die Juden&#8221; kritisieren. Jeden individuellen Menschen darf man immer gleich kritisieren, welcher Gruppe er nicht angehöre. Solange man es eben nicht aufgrund dieser Angehörigkeit tut. Mir fällt es leicht, das zu sagen, ich kritisiere ja auch meine Freunde in der Gemeinde, für uns ist es Alltag. Für viele Deutsche, denen ich begegnet bin, ist das Jüdische aber immernoch exotisch, seltsam. Man umschleicht es nur auf Zehenspitzen, behandelt das Thema nur mit Samthandschuhen, und am liebsten gar nicht. Aus dieser verkrampften Atmosphäre, dachte ich, entstehen vermutlich viele Antisemiten einfach aus Trotz. Es ist eine traurige These, aber ich sehe keinen Grund, warum wir sie nicht überprüfen müssen. Wenn die Frage gestellt wird, warum 20% latent Antisemitisch sind, reicht es eben nicht, zu sagen, dass das schlimm ist. Wir müssen auch nach den Gründen suchen.</p>
<p>Alle diese klugen Gedanken habe ich mir in meinem Köpfchen also zurechtgelegt, als die Sendung anfing. Sie begann aber mit der Geschichte von Anita Lasker-Wallfisch, die ich sehr bewundere. Nach dieser Geschichte, nach diesen Bildern aus dem KZ, nach diesem Schicksal saß ich dann da und verstand, dass alle meine tollen Gedanken völlig umsonst waren, dass ich keinen davon würde sagen können, ja, dass ich eigentlich jetzt übrehaupt nichts mehr sagen kann. Denn all diese Analysen, auf die ich so stolz gewesen war, verpufften in meiner Betroffenheit, in meinem Respekt vor dem Mut und der Lebendigkeit und der Heiterkeit dieser Frau, der grausamen Unmöglichkeit der Vergangenheit, und ich konnte dem nichts hinzufügen. Eine nüchterne Diskussion schien mir unpassend und lächerlich.</p>
<p>So verlief denn auch diese Sendung ganz im Zeichen des Erinnerns, im Zeichen der Geschichte und Geschichten. Ich konnte nur eher verschüchtert andeuten, welchen Umgang ich mir in Zukunft mit dem Thema wünsche, denn ich kam mir sehr respektlos vor.<br />
Ich habe nach der Sendung mit Herrn Jauch gesprochen. Ihm ging es ähnlich wie mir, er war enttäuscht, dass die Zeit für so wenig gereicht hat, dass so wenig wirklich angesprochen werden konnte. Ich habe besonders diesen zweiten Bogen vermisst, zu sagen: Neben uns sitzt eine der letzten Überlebenden, der letzten Zeitzeugen. Wir können von ihnen so unglaublich viel lernen. Wir sollten offen zuhören. Wir haben aber auch die einmalige Gelegenheit, mit diesem Gelernten zu arbeiten, daraus neue Ideen zu entwickeln, wie man das Miteinander von Menschen fördern kann, wie man die Einteilung in &#8220;Rassen&#8221;, Völker, Religionen und Gruppen überwinden kann, wie man den Menschen im Vordergrund sieht.</p>
<p>Andererseits war die Sendung eben nur ein Anstoß. Vielleicht wurde dadurch ja dieser weitere Bogen irgendwo angeregt. In einer Talkshow hat man keine Zeit, die Welt zu erklären. Man hat nicht einmal Zeit, eine Idee vorzustellen. Man kann nur den Samen einer Idee in den Kopf des Zuschauers setzen und hoffen, dass sie gedeiht. Ich hoffe, dass wir bald zu einer Aufgeschlossenen Diskussion kommen. Sogar diesen Artikel zu tippen erscheint mir etwas gefährlich, weil es gleich ist, was man schreibt, das Thema bietet immer Raum für viel Empörung. Ich wünsche mir aber eine unempörte, offene Debatte zu führen. Ich wünsche mir auch, dass Judentum mit mehr als dem Wort &#8220;Opfer&#8221; assoziiert wird. Vielleicht kommt das ja noch.</p>
<p>Die Kritik in den Zeitungen fand ich dann, nach so einer schweren Sendung, nach dem gemeinsamen Essen mit den anderen Gästen und all den wundervollen Unterhaltungen, völlig vernichtend.<br />
Der<a href="http://www.stern.de/kultur/tv/tv-kritik-guenther-jauch-hilflos-im-umgang-mit-dem-holocaust-1782696.html"> Stern</a> unterstellt Jauch, er habe mich gar nicht in der Sendung haben wollen. Woher auch immer sie die tolle Info hatten. Ich kann sie jedenfalls widerlegen. Jauch wolle nur die alten, wehleidigen Geschichten durchnehmen, heißt es in der Kritik. Dem völlig entgegengesetzt die <a href="http://www.welt.de/fernsehen/article13852442/Auschwitz-zu-monstroes-fuer-eine-Talkshow.html">WELT</a>, die zwar auch richtig anmerkt, dass das Thema für eine Talkshow eigentlich zu groß war und dass durch fehlende Definitionen die Argumente unscharf waren, aber gleichzeitig darauf pocht, dass das ständige Wiederholen der einzig richtige Weg sein kann. Die Einzige alternative scheint für den Autor &#8220;mundgerechtes Erinnern&#8221; zu sein, das kein echtes mehr wäre. Da hat er recht, aber es ist eben nicht die einzige Alternative. Eine Alternative wäre es zum Beispiel, statt vier mal in der Schule über den Holocaust zu lernen und wieder und wieder dröge Jahreszahlen auswendig zu lernen unter hohem Prüfungsstress, einfach mal mehr Einzelschicksale zeigen, Analogien zur heutigen Zeit ziehen (&#8220;Sofie Scholl hat eigentlich nur Flyer verteilt&#8221;), verdeutlichen, welche Bedeutung das Phänomen hatte. Nur einmal, aber dann mit Nachdruck.<br />
Die <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/f-a-z-fruehkritik-jauch-juden-nicht-auf-auschwitz-reduzieren-11639445.html">FAZ </a>konnte sich gar nicht entscheiden. Die fand es blöd, dass nur Juden in der Sendung saßen, also Menschen, für die das Vergessen von Auschwitz natürlich kein Thema war. (&#8220;Niemand würde mit französischen Adligen übers Vergessen der Französischen Revolution reden&#8221;). Man habe in der Sendung Historiker vermisst, und Leiter von Gedenkstätten. Wirklich, und Historiker und Leiter von Gedenkstätten sind also Menschen, denen es leichter passieren könnte, dass sie Auschwitz vergessen? Ich weiß ja nicht.</p>
<p>Natürlich haben die Kritiken recht, dass das Thema nicht rund behandelt wurde. Himmel, ich will denjenigen sehen, der das Thema in einer Stunde rund behandelt. Natürlich wurde nicht gestritten. Worüber auch? Die Runde hat nur Grundlagen geschaffen, Gedanken angestoßen. Die Diskussion muss jetzt stattfinden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich selbst freue mich, dass ich Anteil daran haben durfte, dass ich mit Günter Jauch einen äußerst intelligenten Mann kennen lernen durfte, der es wie kein anderer beherrscht, seine Sprache für die Öffentlichkeit einfach und zugänglich zu modulieren; dass ich Anita Lasker-Wallfisch kennen lernen durfte, die für mich immer ein Vorbild bleiben wird; nicht zuletzt, dass ich im ARD, in einer Top-Talkshow, im Pyjama-Oberteil* sitzen konnte. Das ist jedenfalls eine der angenehmeren Geschichten, die ich meinen Enkeln erzählen werde. Und der Herr sei gepriesen, dass wir in einer Zeit für so friedliche Geschichten leben.</p>
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<p><em>*Das aber kam so: Das Kleid, das ich trug, hatte keine Ärmel. Ich hatte mein schwarzes Oberteil verloren, das ich eigentlich drunter ziehen wollte. Am Sonntag bin ich am Berliner Hauptbahnhof zu Strauss spaziert und wollte ein neues kaufen. Damenmode darf aus gesetzlichen Gründen an Sonntagen nicht verkauft werden, wohl aber Lingerie. Also kaufte ich ein Pyjama-Oberteil und trug es.</em></p>
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		<title>Der Tag, an dem nichts wirklich passiert ist.</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 20:37:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute titelte eine Zeitung prominent: "24-jährige will Diplomarbeit schreiben".
Das ist erstmal nichts, worauf man normalerweise mit "Whoa, mind blown!" reagiert. Doch genau das hat heute eine Reihe von Onlinezeitungen getan. Es steht plötzlich im Mittelpunkt des Interesses, dass ich angekündigt habe, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für eine zweite Amtsperiode als Bundesvorstand der Piratenpartei zu ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute titelte eine Zeitung prominent: <a title="RP Online" href="http://www.rp-online.de/politik/deutschland/weisband-verlaesst-spitze-der-piratenpartei-1.2685862" target="_blank">&#8220;24-jährige will Diplomarbeit schreiben&#8221;</a>.<br />
Das ist erstmal nichts, worauf man normalerweise mit &#8220;Whoa, mind blown!&#8221; reagiert. Doch genau das hat heute eine Reihe von Onlinezeitungen getan. Es steht plötzlich im Mittelpunkt des Interesses, dass ich angekündigt habe, <a title="Vorstandsportal Piratenpartei" href="http://vorstand.piratenpartei.de/2012/01/25/wer-nicht-erneut-fur-den-buvo-kandidiert-und-warum/" target="_blank">aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für eine zweite Amtsperiode als Bundesvorstand der Piratenpartei zu kandidieren</a>. Ich werde ein Jahr Pause machen.</p>
<p>Seitdem klingelt hier alle paar Minuten das Telefon, Menschen drücken mir ihren Respekt und ihren tiefen Dank aus und erinnern sich an die schöne Zeit, als sei das der Tag meiner Beerdigung. Da ich nicht mit dieser heftigen Reaktion gerechnet habe, dachte ich, ich schreibe da noch einmal was zu.</p>
<p>Erstmal: Es ist völlig normal, dass eine 24-jährige ihr Diplom schreiben möchte. Das tun wir 24-jährigen nunmal so. Ich habe festgestellt, dass mit dem plötzlichen und unvorhergesehenen Erfolg der Piratenpartei einerseits und meiner persönlichen medialen Präsenz andererseits das Diplom nicht mit meinem Parteiamt zeitlich und physisch vereinbar ist. Also habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich bleibe in dem Amt und pfeiffe auf das Diplom (das ich wegen des neuen Masterstudiengangs nur bis 2013 machen darf), oder ich mache erstmal das Diplom und stelle das Amt zeitweise zurück.</p>
<p>Die Entscheidung für zweiteres halte ich für die einzig Vernünftige. Ich werde jetzt nicht den Namen Guttenberg nennen, aber wenn man ohne gutes Fundament in die Politik geht, ist man dort nicht nur gefährdet. Man macht sich abhängig davon, Politiker sein zu müssen, weil man nichts anderes machen kann, nie etwas anderes gemacht hat. Ein akademischer Abschluss erlaubt mir, jederzeit als Psychologin zu arbeiten, auch wenn ich politisch weitermache. So bin ich nicht darauf angewiesen, mich irgendwann mit aller Kraft an meinen Posten zu krallen.  Außerdem macht mich diese Pause persönlich unabhängig davon, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. An soetwas darf man sich nicht gewöhnen. Ich will Politik machen, weil ich die Themen, die ich umsetze, für wichtig halte. Ich will nicht Politik zum Selbstzweck machen. Diese Unabhängigkeit ist es also, weshalb ich erstmal an meinem Leben weiterbaue.</p>
<p><strong>Was passiert weiter?</strong></p>
<p>&#8220;Die Piraten verlieren ihr charismatisches Aushängeschild&#8221; oder so ähnlich schrieben heute viele Zeitungen. Das ist Quatsch. Die Piraten verlieren gar nichts! Ich bleibe weiter bei den Piraten und ich bleibe weiter aktiv. Ich werde meine Politik weiter machen und ich werde diese Gesellschaft weiter durch Denkanstöße zu verändern suchen.<br />
Okay, ich trete im April nicht nochmal für eine Amtszeit als Politische Geschäftsführerin an. Was ändert sich, wenn auf mir nicht der Stempel &#8220;PolGF&#8221; prangt? Ich darf nicht bei Bundesvorstandsbeschlüssen mitstimmen. Okay. Und außerdem&#8230; tja. Das war es auch schon, im Wesentlichen. Fast alles andere kann jedes andere Mitglied auch. Ich habe als Basismitglied bei den Piraten eigentlich sogar mehr Freiheiten, weil ich mich nicht an beschlossene Parteimeinung halten muss, sondern für meine eigenen inhaltlichen Ziele kämpfen kann. Wenn die Medien schreiben, die Piraten verlören irgendein Aushängeschild, meinen sie damit in Wirklichkeit: &#8220;Wir wollen nicht mehr über Marina Weisband berichten, weil sie nicht mehr mit einem Titel bestempelt ist.&#8221; Und das ist ihre freie Wahl. Zugegeben, es ist Ziel der Sache, dass ich weniger Medienauftritte und dadurch mehr Zeit habe. Aber das ist nicht wirklich etwas, das sich am Amt eines Bundesvorstands festmacht. Wir sind eine basisdemokratische Partei! Ich kann gern demonstrieren, wie viel man bei uns aus der Basis, ohne jede Legitimation, bewirken kann, wenn die Ideen gut sind.Dieser Demonstration werde ich mich im kommenden Jahr denn auch widmen, sobald die Hauptphase meines Diploms durch ist.</p>
<p>Es wird Zeit, das System Piratenpartei noch einmal völlig neu zu beleuchten, um zu verstehen, wie es funktioniert. Denn die Piratenpartei wird ohne mich im Bundesvorstand auch nicht weggehen. Meine Nicht-Kandidatur ist auch kein &#8220;Schwerer Schlag&#8221;, wie Spiegel Online beschwört. Diese Partei war schon voll arbeitsfähig, als ich eingetreten bin. Und sie wird immer arbeitsfähiger. Ich freue mich, weiter Teil des Projekts zu sein, von dem ich mir inzwischen sicher bin, dass es unsere Demokratie auf die eine oder andere Weise verändern wird.</p>
<p>Also bitte noch keine Abgesänge auf mich. Drei Monate bin ich außerdem noch ganz normal im Amt. Und wer glaubt, ich werde jetzt nichts Signifikantes mehr tun, auch der kennt die Piraten schlecht. Im Moment haben wir eine akute Bedrohung durch <a title="Piratenwiki - ACTA" href="http://wiki.piratenpartei.de/ACTA" target="_blank">ACTA</a> und das ist das nächste Projekt, dem ich mich widmen werde.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.marinaslied.de/?flattrss_redirect&amp;id=693&amp;md5=4cd5e105f060db6386f383ba14153f8d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.marinaslied.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Neujahrsgrüße an die Unsichtbaren</title>
		<link>http://www.marinaslied.de/?p=690</link>
		<comments>http://www.marinaslied.de/?p=690#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 12:17:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Dank]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.marinaslied.de/?p=690</guid>
		<description><![CDATA[Dieses Jahr werde ich mit einem Artikel beenden, der mit Politik zu tun hat, aber in Wirklichkeit gar nicht politisch ist, sondern menschlich.

Es ging hier viel um mich in den letzten Monaten, weil die Presse um einzelne Personen bei den Piraten viel Trara macht. Was nur natürlich und zu erwarten war. Ich bekomme gerade ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Jahr werde ich mit einem Artikel beenden, der mit Politik zu tun hat, aber in Wirklichkeit gar nicht politisch ist, sondern menschlich.</p>
<p>Es ging hier viel um mich in den letzten Monaten, weil die Presse um einzelne Personen bei den Piraten viel Trara macht. Was nur natürlich und zu erwarten war. Ich bekomme gerade gegen Jahresende viele Briefe, die mich und meine Arbeit sehr loben. Und dieses Lob will ich an dieser Stelle einfach mal an die richtige Adresse weiterleiten.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 650px"><img title="Piraten" src="http://farm4.staticflickr.com/3496/3916859742_c39487448c_z.jpg" alt="" width="640" height="360" /><p class="wp-caption-text">CC-BY Jürgen Brocke</p></div>
<p>Der Erfolg der und die Veränderungen durch die Piratenpartei sind nicht das Werk meiner Hände. Auch nicht das der Hände anderer Einzelpersonen. Die Piratenpartei ist ein Netzwerk, und jedes in diesem Netzwerk aktiv beteiligte Mitglied Anteil daran.</p>
<p>Ihr findet, ich argumentiere gut? Nun, viele Piraten saßen nachts in unseren Pads und haben kollektiv Argumente für bestimmte Programmpunkte und Antworten auf mögliche Fragen erarbeitet, die alle in der Öffentlichkeit stehenden Piraten nutzen können.</p>
<p>Ihr findet unsere Plakate gut? Nicht nur hat eine Gruppe von Piraten diese unentgeltlich unter Zeitdruck entworfen, sondern hunderte haben sie neben ihrem Beruf, neben der Uni, neben der Schule verteilt. Sie sind durch ganz Berlin gefahren, teilweise weite Strecken nach Berlin hinein, um unter Regen auf Leitern zu steigen.</p>
<p>Ihr findet unsere Programmpunkte sinnvoll? Sie wurden zumeist kollaborativ verfasst, ohne einzelnen Autor, sie wurden oft durch Liquid Feedback demokratisch innerhalb der Partei diskutiert, ehe sie auf dem Parteitag landeten. Tausende Basis-Piraten haben sie sich durchgelesen und sie für sich bewertet.</p>
<p>Ihr mögt unsere Öffentlichkeitsarbeit? Ein ebenfalls unbezahltes Team schuftet Tag und Nacht, um gute Beiträge zu verfassen, Termine mit Journalisten zu koordinieren, angemessen auf Ereignisse zu reagieren, unsere Facebook- und Twitter-Präsenz zu pflegen.</p>
<p>Ihr nutzt die Software-Angebote der Piratenpartei wie die Website, das Piraten-Wiki, die Pads, die Mailinglisten? Ein Team von IT-Leuten steht Tag und Nacht bereit, um das System am Laufen zu halten, um es ohne nennenswerte Geldmittel zu verbessern.</p>
<p>Die AGs arbeiten an einzelnen Themen, erarbeiten dazu Anträge und Positionspapiere, sie stellen Veranstaltungen und BarCamps auf die Beine. Die Stammtische entwickeln gemeinsam neue Ideen, die sie dann mit anderen Kommunalverbänden gemeinsam durchsetzen.</p>
<p>In den Fraktionen und Kommunalparlamenten wird sich in die reale Politik eingearbeitet. Und das sind nicht nur die Fraktionsmitglieder, die das tun. Das sind auch ihre Parteifreunde um sie herum, die ihnen zuarbeiten.</p>
<p>Ja, sogar auf Twitter werden fleißig Hinweise ausgetauscht, Links verbreitet. Sogar Menschen, die gar nicht Mitglied bei den Piraten sind, sondern sich nur als Fans bezeichnen oder gar andere Parteien wählen, schicken mir fruchtbare Hinweise und Ideen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es gibt viele sehr hart arbeitende Piraten in dieser Partei und sie sind nicht namentlich bekannt. Niemand lobt sie in den Printausgaben der Zeitungen, niemand druckt ihr Foto ab, außer es ist gerade symbolisch. Und mir ist völlig klar, warum das so ist. Dennoch muss ich hier der Gerechtigkeit genüge tun und ein großes</p>
<p><strong>DANKE</strong></p>
<p>an all die Unsichtbaren aussprechen, die viel Zeit, viel Geld und viele Nerven in diese Partei investieren. Teilweise kommen ja die wirklich genialen Ideen von euch, die ihr nicht genannt werdet, oder nicht genannt werden wollt.<br />
Diese Menschen sind die Helden des Jahres 2011, denn die ganze neu angeregte Diskussion, der ganze frische Wind in der Politik, geht von ihnen aus.</p>
<p>Ich würde hier so gern eine Namensliste schreiben. Aber erstens wäre sie episch lang, zweitens würde ich garantiert jemanden vergessen und drittens wäre es ungerecht denen gegenüber, deren Name nicht genannt werden soll.<br />
Daher an dieser Stelle nur dies:</p>
<p>Es wird mir 2012 eine Ehre sein, mit euch weiter zusammen zu arbeiten, mit euch Flyer zu verteilen und Autos abzuholen und Texte zu verfassen und von Veranstaltung zu Veranstaltung zu gurken. Ihr seid es, wegen denen ich in dieser Partei bin. Also lasst euch feiern, jede(r) Einzelne!</p>
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		<title>Das Dilemma des offenen Politikers</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 23:27:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus meinem Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Jahr 2011 war für mich das vielleicht aufregendste Jahr meines Lebens. Ich habe nicht nur in politischer Hinsicht viel gelernt, sondern auch viele Erfahrungen über die Gesellschaft als solche gesammelt. Und auch wenn ich in Zukunft nicht mehr in der Politik sein sollte, halte ich meine Beobachtungen doch für dokumentierenswert. Insofern beschäftigt sich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahr 2011 war für mich das vielleicht aufregendste Jahr meines Lebens. Ich habe nicht nur in politischer Hinsicht viel gelernt, sondern auch viele Erfahrungen über die Gesellschaft als solche gesammelt. Und auch wenn ich in Zukunft nicht mehr in der Politik sein sollte, halte ich meine Beobachtungen doch für dokumentierenswert. Insofern beschäftigt sich dieser Artikel nicht mit speziellen politischen Inhalten, sondern mit der Beziehung von Politikern und Bürgern im Zeitalter des Internets.</p>
<p>Ich kämpfe, seit ich in diesem Amt bin, unter Anderem auch dafür, das Bild des Politikers  zu ändern. Ich schrieb bereits darüber, dass ich finde, dass MENSCHEN Politik machen sollten. Politik sollte nahbar sein, durchsichtig, niedrigschwellig, vertrauensvoll. Mir war immer klar, dass das eine Utopie ist, aber ich dachte, ein kleines Stück davon kann man ja wenigstens durch Beispiel verwirklichen.<br />
Ich hatte Politiker kritisiert, die nie persönlich auf Emails antworten. Die man nicht erreichen kann. Die nicht auf Kritik eingehen. Die immer in verdunkelten Autos rumfahren, nie Fremden zuhören und nichts Menschliches zeigen.</p>
<p>Seit ich selbst zu einer gewissen Bekanntheit gelangt bin, muss ich meine Erfahrungen hier teilen, weil ich plötzlich mehr Gründe dafür verstehe. Früher dachte ich, diese Politiker seien eitel, von sich eingenommen, weltfremd. Aber ich fürchte, es gibt gewichtigere Gründe.</p>
<p>Im Moment bekomme ich wahnsinnig viel Zuspruch und Unterstützung, weil es eine riesige Aufgabe ist, für eine große Partei zu sprechen, und sich vorher über so ziemlich alle Themengebiete informieren zu müssen, als hätte man sie mindestens zwei Semester studiert. Es wird von mir mitmal erwartet, dass ich Experte in jedem Bereich bin, in dem meine Partei etwas fordert und ich tue mein Bestes, um zu lernen und dem nach zu kommen. Dennoch bekomme ich viel Kritik. Das ist erstmal natürlich gut, weil ich auch die einbaue und daraus lerne. Ich dachte, so kann es funktionieren. Ich muss allerdings an dieser Stelle auch sagen, dass ich sehr viel Kritik bekomme, die &#8211; sagen wir &#8211; nicht konstruktiv ist. Was ich meine sind Beschimpfungen, Beleidigungen, Unterstellungen, Analysen meiner Psyche und soetwas. Sie sind in Emails, in Tweets, in den Kommentaren dieses Blogs. Ich lese das, denn es könnte ja was Berechtigtes darunter sein, es könnte ja ein hilfreicher Hinweis sein.<br />
Ich erwische mich aber dabei, dass ich immer mehr einfach ungelesen lösche. Ich bekomme inzwischen keine Benachrichtigung über neue Kommentare mehr, obwohl ich früher jeden Kommentar hier aufmerksam gelesen habe.</p>
<p>Es scheint so zu sein, dass zu einer gewissem Bekanntheit ganz automatisch ein paar Leute mitgeliefert werden, die einen ohne Grund hassen, die beleidigen, die meinen, einen zu kennen und zu durchschauen, ohne einem je begegnet zu sein. Es ist völlig egal, was man tut, diese Personen sind immer da und sie sind laut. Und wenn man sie aufmerksam liest, verletzen sie einen einfach, ohne irgendwas Besseres zu hinterlassen.</p>
<p>Und natürlich gibt es auch die &#8211; weit weniger schlimmen &#8211; Kandidaten, die glauben, das man alles tun und alles richten kann. Sie wenden sich dann persönlich an einen mit einem Nachbarschaftsstreit oder mit einer problematischen Lebenslage und hoffen, dass man ihnen helfen kann. Irgendwann werden diese vereinzelten Anfragen zu einer Lawine, unter der man unterzugehen droht.</p>
<p>Und mitmal verstehe ich: Die Vorzimmermitarbeiter, die Emails vorsortieren, sind genau gegen soetwas gut. Sie sind der einzige Weg, wie Politiker überhaupt funktionsfähig bleiben können. Die verdunkelten Autofensterscheiben, der wenige persönliche Kontakt. Alles ergibt Sinn. Insofern müssen wir also vielleicht davon absehen, den Politikern allein die Schuld daran zu geben, dass sie sich mit zunehmender Karrierestufe immer weiter von der Bevölkerung distanzieren. Es ist vielmehr ein strukturielles Problem. Es besteht nicht nur eine Politikerverdrossenheit seitens der Bürger, es herrscht wohlmöglich in einigen Fällen einfach auch eine &#8220;Bürgerverdrossenheit&#8221; seitens der Politiker.</p>
<p>Von meinen Freunden bekomme ich in dieser Zeit immer wieder den Hinweis: Ignorier diese Penner einfach. Schaff dir ein dickes Fell an. Man braucht ein dickes Fell in der Politik.<br />
Ein dickes Fell hat nun aber auch die Schattenseite, dass es isoliert. Also auch konstruktive Kritik abschirmt. Es macht weniger empfindlich und weltfremd. Das ist, was es mit sich führt. Je weiter ich mich selbst gegen Kontakt von anderen Menschen absperre, desto weniger repräsentativ wird die Gruppe, mit der ich mich umgebe.</p>
<p>Ist es also das? Steht der Politiker wirklich in dem Dilemma, nahbar, aber handlungsunfähig und psychisch belastet zu sein, oder aber produktiv, dafür unnahbar und kühl? Ist das eines der großen Probleme von flachen Hierarchien, Mitbestimmung? Bilden wir uns nur ein, dass es funktionieren könnte?</p>
<p>Ich bemerke, dass ich außerstande bin, etwas dagegen zu tun. Denn ich glaube, das Problem liegt darin, dass vielen nicht klar ist, dass ihre Äußerungen gelesen werden, und zwar von einem Menschen, und zwar von einem mit Gefühlen. Die meisten wissen es zwar, aber sie denken nicht weiter darüber nach. Sie sind neidisch, oder unzufrieden und sie machen ihren Emotionen Raum. Es sind möglicherweise sogar dieselben Menschen, die immer schimpfen: &#8220;Die da oben hören doch eh nicht auf uns&#8221;. Gleichzeitig sorgen sie aber selbst dafür, dass das so bleibt. Welcher Politiker würde schon auf jemanden hören, der ihn nur beleidigt? An diesem Kreislauf ist von beiden Seiten zu arbeiten. Politiker müssen nahbar werden. Aber mit dem Aufkommen des Internets, mit der neuen Vernetzung und der unmittelbaren Erreichbarkeit von Politikern, fällt auch dem Bürger ein größeres Maß an Verantwortung zu. Und die beinhaltet, drei Sekunden darüber nachzudenken, was sie schreiben und was das bringen wird, ehe sie es tun.</p>
<p>Es wird auch weiterhin genug Personen geben, die schreiben: &#8220;Die lügt doch nur&#8221;, &#8220;Die drückt auf die Tränendrüse&#8221; und so weiter. Ich sehe die Kommentare schon vor mir. Aber so lange ich in diesem Feld bleibe, werde ich mich jedenfalls nicht ändern. Ich werde mir keine &#8220;dickere Haut&#8221; zulegen, meine Haut ist dick genug. Ich werde meine Ohren nicht verschließen. Ich bin ein Experiment. Kann eine Gemeinschaft einen Politiker machen? Können wir die Politik dadurch verändern?</p>
<p>Es ist völlig utopisch und töricht und dumm. Aber ich könnte es mir jedenfalls nicht verzeihen, es nicht zumindest zu versuchen.</p>
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		<title>Meine Rolle in den Medien</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 19:37:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus meinem Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Schatztruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>

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		<description><![CDATA[“Man könnte meinen, wenn man Ziel eines medialen Hypes ist, würde gehört, was man zu sagen hat. Dem ist nicht so.”

Das habe ich eben getwittert und ich führe aus.

Zwischen meiner Wahl zur politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland am 15. März 2011 und dem 05. Oktober 2011 wollte mich niemand vor seiner Kamera sehen. Mehrfach ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>“Man könnte meinen, wenn man Ziel eines medialen Hypes ist, würde gehört, was man zu sagen hat. Dem ist nicht so.”</p>
<p>Das habe ich eben getwittert und ich führe aus.</p>
<p>Zwischen meiner Wahl zur politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland am 15. März 2011 und dem 05. Oktober 2011 wollte mich niemand vor seiner Kamera sehen. Mehrfach hat Sebastian Nerz mich als Ersatz für sich für Interviews oder Talkshows angeboten, wenn er keine Zeit hatte. Es war aber immer so, dass man dann lieber ganz auf das Interview verzichtet hat. Warum wollte mich niemand sehen? Einige Journalisten hatten mir gesteckt, dass es daran läge, dass ich eine Frau bin und man lieber “den typischen Piraten” zeigen wolle; und der sei nunmal männlich.<br />
Auch bei der Bundespressekonferenz am 05.10. wollte mich niemand haben. Das heißt, unsere Partei wollte mich schon dabei haben. Der stellvertretende Pressesprecher und Sebastian Nerz haben sich dafür eingesetzt, dass ich neben Sebastian und Andreas Baum als Dritte dort sitzen und für die Partei sprechen kann.<br />
Nach diesem Auftritt ging es rund mit diversen Interviewanfragen, Portraits, Einladungen, Podiumsdiskussionen etc. Spätestens seit dem letzten Bundesparteitag kommen immer häufiger Artikel mit mir, in denen hochtrabende Worte wie “neuer Star”, “Hoffnung”, “Lichtgestalt” oder “die schöne Piratin” verwendet werden.</p>
<p>Eigentlich könnte man sich ja mal freuen. Erstens, welches kleine Mädchen hat nicht davon geträumt. Zweitens, wenn ich schon so viel interviewt und gefragt werde, dann kann ich ja ganz viele Ideen der Piraten erzählen, dann kann ich endlich Deutschland von meinen und unseren politischen Positionen überzeugen. Ich kann endlich vermitteln, dass Investitionen in Bildung für die Wirtschaft unumgänglich sind, auch wenn sie sich erst nach mehr als einer Legislaturperiode lohnen. Ich kann endlich sagen, dass transparent und demokratisch entwickelte Entscheidungen zwar langsamer fallen, dafür aber auch viel nachhaltiger sind. Ich kann endlich erklären, was liquide Demokratie ist und warum uns das Internet so viele neue Chancen zu einer besseren Gesellschaft bietet. Aber denkste.</p>
<p>Seien wir ehrlich. Meine Medienpräsenz besteht zu 80% aus Fotos, Kommentaren über meine Frisur, meine Kleidung, meine Hobbies, meine Art. Hach, wie hübsch und hach, wie erfrischend, heißt es da immer. Ja, ich bin für die Öffentlichkeit gerade eine angenehme Gestalt – jung, engagiert, weiblich. Aber wofür ich engagiert bin, warum ich in meinem Alter eine unentgeltliche 60-Stunden-Woche arbeite, was für eine Idee es ist, hinter der wir stehen, danach fragt man bestenfalls oberflächlich.</p>
<p><a href="http://www.marinaslied.de/wp-content/uploads/2011/12/marina2.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-674" title="marina2" src="http://www.marinaslied.de/wp-content/uploads/2011/12/marina2.jpg" alt="" width="498" height="388" /></a></p>
<p>Ich habe einer Reporterin von der taz, die bei mir zuhause war, über eine halbe Stunde lang mein ideales Schulsystem vorgeführt. Ich habe erklärt, warum ein Kurssystem und individuelles Lernen immer wichtiger für die Entwicklung wird. In ihrem Artikel kam kein Wort darin vor. Dafür eine frei erfundene Geschichte, wie ich mal einen Bundesparteitag mit einer Episode von “My little pony” unterbrochen hätte.</p>
<p>Achja, nach einer Sache werde ich natürlich schon immer gefragt: Warum sind in der Piratenpartei eigentlich so wenig Frauen?<br />
Jeder fragt mich das. In jedem Interview. Nur mich, nicht meine männlichen Kollegen.<br />
Warum in der Piratenpartei so wenige Frauen sind? Weil in der Politik so wenige Frauen sind! Und noch weniger in Ämtern. Warum? Weil die Zeitungen über sie nur berichten, was sie an haben, oder Heldenstories mit ihnen machen, wie sie sich als Frau durchschlagen. Weil sie erst auf politischer Linie total versagen müssen, ehe man anfängt, über das Inhaltliche zu sprechen. Weil sie unweiblich sein müssen, weil man sonst über ihre Frisuren spricht. Deshalb!<br />
Ich bin in der Piratenpartei nie Sexismus begegnet. Ich habe nicht an Sexismus geglaubt. Aber das hier ist er.</p>
<p>Natürlich ist das nicht nur ein Sexismus-Problem. Nein, es ist ein Auflagen-Problem. Medien sind Konsumgüter und befinden sich im Wettbewerb. Was sich am besten verkauft, wird gedruckt, oder gesendet. Ja, ja, das verstehe ich, und deshlab mache ich euch nicht mal persönlich einen Vorwurf, liebe Journalisten. Aber war es wirklich das, warum ihr Journalisten werden wolltet? Damals? Um bei einer neu aufkommenden politischen Bewegung, die überraschend viel Zulauf erfährt, über den Lippenstift der politischen Geschäftsführerin zu schreiben? Und nein, ehe hilfreiche Hinweise kommen: Ich werde mich nicht unauffälliger kleiden, oder mir die Haare kurz schneiden, oder mich nicht mehr schminken. Mich zu verbiegen, kann nicht die Antwort sein.</p>
<p>Ich hasse es schon, dass ich so weit im Vordergrund stehe, während jeder Pirat, der genau so viel arbeitet wie ich, oder noch mehr, nicht gesehen wird, nur weil er kein Amt hat. Ich hasse es schon, dass ich “Star” der Piraten genannt werde, weil das einfach falsch ist, weil ich kein Star bin, weil wir einfach zusammenarbeiten. Aber wenn ich schon so im Vordergrund stehe, hätte ich mir auch gewünscht, tatsächlich ein paar Worte sagen zu können. Nein, ich möchte keine Parteiwerbung machen, darum geht es mir nicht. Es geht darum, zu erklären, was im Moment möglicherweise falsch läuft. Ideen zu geben, was wir besser machen könnten. Chancen zu zeigen. Und es ist mir egal, wenn die Presse das dann kritisch kommentiert. Mir ist ein guter kritischer Artikel viel lieber, als zehn himmelhochlobende Artikel darüber, “wie schön diese Piratin ist”. Im Moment fühle ich mich wie eine Stumme, während alles über mich spricht. Mich gruselt der Gedanke am meisten, dass es natürlich nicht nur mir so geht, sondern vermutlich jeder medienwirksamen Gestalt. Das macht man sich nicht klar. Und diese Entwicklung ist nicht erfreulich. Ich wünschte, die Presse hätte die Möglichkeit, sich ein bisschen aus diesem Wettbewerbsding zu lösen und sich auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen – die Menschen aufklären, den Menschen Wissen bringen.</p>
<p>An dieser Stelle möchte ich mich bei <a href="http://www.news.de/politik/855227376/wir-schulden-den-menschen-ehrlichkeit/1/" target="_blank">Oliver Roscher</a>, <a href="http://www.morgenpost.de/politik/article1843478/Marina-Weisband-das-Sprachrohr-der-Piraten.html" target="_blank">Manuel Bewarder</a>, <a href="http://ieet.org/index.php/IEET/more/pellissier20110929" target="_blank">Hank Pellissier</a>, <a href="http://www.einslive.de/sendungen/plan_b/talk/2011/11/11116_marinaweisband.jsp" target="_blank">Till Haase</a>, <a href="http://www.berliner-zeitung.de/magazin/interview-ich-bin-ein-kind-des-internets,10809156,11283988.html" target="_blank">Jan Tomsen und Petra Ahne</a> und allen Journalisten bedanken, die zwar auch über meine Person geschrieben / gesprochen haben, aber mit mir auch über Inhalte gesprochen und diese auch ausführlich wiedergegeben haben.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.marinaslied.de/?flattrss_redirect&amp;id=675&amp;md5=98d16cf7e187696efc48a2566d157f35" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.marinaslied.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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